Facebook-Zensur: Ausbluten erlaubt, Stillen verboten

Zerquetschte Körperteile? Kein Problem! Obszöne Statuseinträge? Völlig ok! Hakenkreuzfahne mit lustiger Bildunterschrift? Akzeptiert! Wie unlängst auf Spiegel Online zu lesen war, hat Facebook hat klare Richtlinien, welche Inhalte es in seinem Sozialen Netzwerk duldet und welche nicht. Diese Regelungen sind in den Facebook Community Standards festgeschrieben, allerdings nur ziemlich oberflächlich. Wie die Facebook-Prinzipien im Detail aussehen, hat nun der US-Blog Gawker enthüllt. Dieser bekam nämlich ein Dokument von einem unzufriedenen Mitarbeiter des Social-Media-Dienstleisters oDesk zugespielt, welcher stellvertretend für Facebook die Millionen-Community kontrolliert.

Die darin enthaltenen Regeln sind zwar kein Skandal, aber dafür ziemlich seltsam. So dürfen Kontrolleure zum Beispiel Sätze wie “Hallo Mädels, mein Freund XY könnte einen Blowjob vertragen! ;) einfach so stehen lassen, während Meldungen wie “Schickt mir eine Nachricht, wenn ihr heute Nacht Spaß haben wollt!” laut Regelwerk gelöscht werden müssen. Der Grund: Während der erste Eintrag klar unter die Kategorie “Witz” fällt, stellt der zweite klar die Anbahnung einer sexuellen Handlung dar – ein absolutes No-Go! Zu löschen wäre die erste Meldung nur, wenn sich besagter Freund XY dadurch gemobbt fühlen und sich bei Facebook darüber beschweren würde.

Auch was die Bilderkontrolle betrifft, hat Facebook ganz eigene Moralvorstellungen. Extremes Bluten, tiefe Schnittwunden und zerquetschte Extremitäten aller Art stellen – sofern nicht gerade die Hirnmasse rausläuft – kein Problem dar. Aber wehe, eine Mutter lädt ein Foto davon hoch, wie sie ihr Kind stillt. Dann schreiten die Sittenwächter ein und verbannen die frivol zur Schau gestellten weiblichen Brüste aus dem Netzwerk. Für Männer, die oben ohne für die Kamera posieren, gilt diese Regelung freilich nicht. Ebenso wenig toleriert werden Schnappschüsse, auf denen Frauen eine derart enge Hose anhaben, dass sich die primären Geschlechtsteile abzeichnen. Sexdarstellungen, ob nackt oder in voller Montur, haben in Facebook ebenfalls keinen Platz.

Wenn jedoch jemand gemütlich einen Joint raucht, dann ist das völlig ok. Auch am Hochladen und Publizieren von “Hass-Symbolen” wie Nazi-Flaggen oder Hitlerfotos findet Facebook nichts Störendes, solange man deren Brisanz durch eine entsprechende Bildunterschrift entschärft. Flaggen dürfen auch so ziemlich alle brennen, mit Ausnahme der türkischen. Von der bildlichen Dokumentation von Essstörungen, Selbstverstümmelung und Tierquälerei ist ebenfalls Abstand zu nehmen, wobei letzteres erlaubt ist, wenn es “im Kontext von Nahrungsverarbeitung oder der Jagd, wie sie in der Natur vorkommt” geschieht. Wer sich alle obskuren Facebook-Regeln im Detail anschauen möchte, braucht nur auf diesen Link zu klicken. Nach deren Lektüre wissen Sie genau, mit welchen Inhalten Sie Mark Zuckerberg besser nicht verärgern sollten…

Monsignore hat gesprochen.

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