“Wenn Sie Ihre Fleischpflanzerl (bayr. für Fleischlaibchen) jeden Tag mit der Nährlösung gießen, dann sind sie in einer Woche so groß, dass Sie sie essen können!” Ratschläge wie diese könnten Kunden in nicht allzu ferner Zukunft an der Fleischtheke im Supermarkt bekommen. Sollte das Retorten-Burger-Experiment niederländischer Wissenschaftler Erfolg haben, ist es nicht ausgeschlossen, dass man anstatt der üblichen 50 Deka Hackfleisch bald nur noch ein Packerl Rinderstammzellen bei der Verkäuferin bestellen kann.
Stammzellen aufs Brot, do host wos drauf!
Biologen an der Uni Maastricht versuchen nämlich, bis Oktober Fleisch aus tierischen Stammzellen nachzubauen. Der Anspruch ist simpel: Das Endprodukt sollte nach Möglichkeit gleich aussehen und schmecken wie natürlich entstandenes Fleisch. Der Zeitraum, in dem das Experiment gelingen soll, ist nicht nur zwei Monate kürzer als die Trächtigkeitsdauer einer Kuh. Nein, die Biologen sparen auch die etwa dreizehn Monate ein, die in der Regel von der Geburt eines Kalbs bis hin zu dessen Schlachtung vergehen. Anstatt den lästigen Prozess der Viehwerdung abzuwarten, produziert man das Aas einfach direkt! Raffiniert!
Das Hackfleisch des Horrors
In punkto Ethik ist der Stammzellen-Burger ungefähr auf einer Ebene mit Formfleisch anzusiedeln. Trotzdem hätten nur wenige Briten (laut Online-Umfrage im “Guardian” etwa 30 Prozent) ein Problem damit, wenn sich eine Retorten-Bulette in ihrem Brötchen befände. Die Kosten für das Forschungsprojekt belaufen sich auf ca. 250.000 Euro, womit es – grob geschätzt – teurer sein dürfte als die Erschaffung von Frankensteins Monster.
Für dasselbe Geld bekäme man umgerechnet 1.188 350-Gramm-Steaks vom japanischen Kobe-Rind (Kilopreis: 600 Euro). Am Bauernhof könnte man dafür mehr als 55 Tonnen Bio-Rindfleisch kaufen und bei McDonald’s würde die Bedienung für diese Summe über 67.000 Big Macs auf dem Tablet stapeln. Ob der Geschmack des Viertel-Million-Euro-Burgers die Investition rechtfertigt, muss der edle Spender entscheiden. Ich für meinen Teil bezweifle die Sinnhaftigkeit des Experiments.
Monsignore hat gesprochen.
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