Land der Kinder

Monsignore ist nach einer etwas längeren Erholungspause wieder zurück. Und mit ihm ist endlich die gegenderte Hymne da! Die Gegner der Änderung haben bei ihrem Abwehrkampf gegen das Wort “Töchter” zwar zu ihrer mächtigsten Waffe – dem Leserbrief an die Kronen Zeitung – gegriffen, konnten aber selbst mit ihren schönsten Gedichten nicht rückwirkend verhindern, was längst beschlossen ist: Ab dem nächsten Jahr darf/kann/muss Man(n) die Töchter erwähnen, wenn Man(n) die Hymne singt – allerdings wird Man(n) wohl kaum bestraft werden, wenn Man(n) es nicht tut…

Nun gut, die Töchter kommen also fix in die Hymne. Aber wie werden sie am besten integriert? Die Politik hat noch nicht herausgefunden, wie sie die werten Damen am besten einbaut, damit die Melodik beim Singen nicht verloren geht. Das ist die Frage, mit der sich die Politik in nächster Zeit eingehend beschäftigen wird.

Sie wird sich das Hirn zermatern, ob es nun “Heimat bist du großer Töchter, Söhne” oder “Heimat großer Töchter und großer Söhne” oder “Heimat großer Töchter und Söhne” heißen soll. Doch kann es überhaupt eine zufriedenstellende Entscheidung geben? Alle Versionen sind suboptimal – zumindest, wenn man die daran angeschlossene Zeile unverändert lässt. Würde man aber die nachfolgende Zeile nur geringfügig anpassen, so könnte der Wohlklang der Hymne ganz einfach beibehalten werden. Wie die Veränderung aussehen könnte? Hier zwei Beispiele:

1. “Heimat großer Töchter und Söhne,
wohl bekannt bist du für’s Schöne”

2. “Heimat großer Töchter und Söhne,
stehst seit jeher für das Schöne”

Wie man sieht, bedarf es nur ein wenig Logik und Flexibilität, um die österreichische Hymne den neuen Erfordernissen anzupassen. Andere Nationalhymnen der lieben Frauen wegen umzuschreiben dürfte da schon etwas schwieriger werden. Bei unseren deutschen Nachbarn zum Beispiel müsste gleich an mehreren Stellen nachjustiert werden. In der einzigen Strophe der deutschen Hymne sind nämlich zweimal “Vaterland” und einmal “brüderlich” enthalten. Ein Wahnsinn, dass angesichts dieser dreifachen Diskriminierung noch kein Aufschrei durchs Land gegangen ist…

Im Ernst: Es ist unverständlich, dass in den Medien so viel Wind um das Thema gemacht wird. Außerdem ist es lächerlich, wie sich manche Österreicher über die Änderung unserer Hymne aufregen. Denn seien wir ehrlich: Wer singt sie denn schon? Kein Mensch. Wozu auch? Wir haben viel zu selten Grund dazu. Im Sport beschränken sich unsere Erfolge aufs Schifahren und -springen. Und abgesehen vom Sport gibt es kaum andere Anlässe, die derart bedeutsam wären, dass man den Wunsch verspüren würde, die Hand aufs Herz zu legen und voller Inbrunst “Land der Berge” zu trällern. Doch die fehlende Motivation, die Hymne zu singen, ist nicht nur auf einen Mangel an Anlässen zurückzuführen. Ein Kommentar auf derstandard.at beschreibt den anderen Grund, den der Großteil der Österreicher insgeheim schon längst kennt: Die Hymne ist einfach nicht gut.

Angesichts dieser Tatsachen bleibt mir leider nichts anderes mehr übrig, als in Wolf Martin-Manier in den Wind zu reimen:

Land der großen Frauen und Männer,
bring doch dein Volk auf einen Nenner
der “Töchter”-Streit rein gar nichts bringt
da eh kaum wer die Hymne singt.
Wozu die Frauen diskriminieren?
wir haben doch eh nichts zu verlieren
drum nehmt die Töchter endlich rein
und dann soll bitte Ruhe sein!

Monsignore hat gesprochen.

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