Oft genug wird behauptet, dass EU-Parlamentarier kaum oder nicht für ihr Geld arbeiten würden. Diesen Vorwurf kann man dem österreichischen Abgeordneten Ernst Strasser nicht machen. Er ist nämlich nicht nur Politiker, sondern auch Detektiv. Während viele seiner faulen Genossen den ganzen Tag nur darüber philosophieren, was denn nun genau Marmelade ist oder aus welchem Tiermist man Biogas machen darf, legt sich Strasser auf die Lauer. Ziel seiner Jagd: Die Enttarnung krimineller Lobbys. Und bekommt der Mr. Undercover der EU-Politik tatsächlich ein unmoralisches Angebot von einem seiner Feinde, so versteht es sich von selbst, dass er auf eigene Faust zu ermitteln beginnt.
Viele seiner Kollegen würden solch schmutzige Angebote einfach ausschlagen, weil sie nicht den Mut und die Courage haben, dem Lobbying Einhalt zu gebieten. Aber Strasser ist keiner dieser Feiglinge. Das haben die jüngsten Medienberichte gezeigt. Er ging zum Schein auf den Vorschlag der Lobby-Vertreter ein, die EU-Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen. Er spielte ihr Spiel mit. Immer freundlich lächelnd, stets bemüht, seine schweren moralischen Bedenken nicht durchblitzen zu lassen, tischte er ihnen das Märchen vom korrupten EU-Politiker auf. Locker plauderte er über seine – natürlich frei erfundenen – bisherigen Lobbying-Tätigkeiten und seine professionelle Vorgehensweise dabei. Außerdem erwähnte er ganz beiläufig seine Honorarvorstellungen – eine schauspielerische Meisterleistung.
Oscarreif: Die Show von Ernst Strasser
In Wahrheit nämlich trachtete Detektiv Strasser nicht danach, Unmengen des schnöden Mammons in seine Tasche fließen zu lassen. Sein Bestreben galt einzig der Sammlung von Beweisen, die er, sobald die richtige Zeit dafür gekommen wäre, an die Polizei weitergeleitet hätte. Als ehemaliger österreichischer Innenminister weiß er schließlich genau, wie man Kriminellen das Handwerk legt. Die Chance, seine verdeckten Ermittlungen zu einem erfolgreichen Ende zu führen, bekam er aber leider nicht. Denn es stellte sich heraus, dass die Lobbyisten, denen er den Garaus machen wollte, Journalisten von der “Sunday Times” waren.
Diese versuchten herauszufinden, ob und welche EU-Parlamentarier bestechlich sind. Strasser ging blöderweise genau in jene Falle, die er eigentlich den Lobbyisten stellen wollte. Dieser Fehler hatte gleich zwei negative Folgen für Strasser: Abgesehen von dem riesigen Schock darüber, einen Geist gejagt zu haben, musste er auch noch jenen verkraften, der Korruption bezichtigt zu werden. Aus lauter Enttäuschung darüber, dass ihn seine Spürnase im Stich gelassen hatte, hängte er seinen Detektivhut an den Nagel und trat zugleich von all seinen Ämtern zurück. Richtig so! Das EU-Parlament hat selbstlose Aufklärer wie unseren Ernstl gar nicht verdient!
Monsignore hat gesprochen.
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