Mit der Beiler 0815 nach Düsseldorf

Österreichs junge Musiker haben Potenzial. Das zeigte sich gestern wieder bei der ORF-EntscheidungsshowDüsseldorf, wir kommen!“ über unseren Songcontest-Teilnehmer. Zehn sehr gute Beiträge, die alle auf ihre Weise besonders waren. Ob lustig, emotional, funky oder jugendlich frisch: Für jeden Geschmack war etwas dabei. Gewonnen hat letztendlich aber – wie sollte es auch anders sein – eine langweilige 0815-Nummer: Mit „The Secret Is Love“ fliegt Nadine Beiler für uns nach Düsseldorf.

Nadine hat am schönsten gesungen, das steht außer Frage. Doch ihre Ballade, egal wie kraft- und gefühlvoll sie sie auch vortragen wird, wird in Düsseldorf sang- und klanglos untergehen. Es gewinnt, das hat uns die Vergangenheit gezeigt, leider nie allein die beste Stimme. In der Regel stehen jene Nummern ganz oben, die das beste Gesamtpaket haben oder – wie das im Vorjahr bei Lena der Fall war – im Vorfeld am besten vermarktet wurden.

Bei unserer Teilnehmerin trifft leider nichts davon zu. Abgesehen von ihrer bemerkenswerten Stimme und ihrem süßen Lächeln hat unsere Teilnehmerin recht wenig Publikumswirksames zu bieten. Ihre zwei Konkurrenten Trackshittaz und Klimmstein feat. Joe Sumner, die sie in der gestrigen Entscheidungsshow ausstechen konnte, hätten bestimmt weitaus bessere Chancen gehabt, vorne dabei zu sein. Schon ganz einfach deshalb, weil sie originell sind und die Menschen mit ihrer frechen Bühnenshow mitreißen. Damit kann man die Zuschauer sicher eher begeistern, als das mit dem schönsten Liedchen möglich wäre.

Nadine Beiler: “The Secret Is Love”

Wie also ist es zu erklären, dass sich trotzdem die Ballade durchgesetzt hat? Dafür habe ich mehrere Theorien:

1. Es war von Anfang an beschlossene Sache:
Dass sich die Prophezeiung von ORF-Musik-Medium Dominic Heinzl, welcher indirekt alle drei der Finalisten und auch die Gewinnerin voraussagte, derart eindrucksvoll erfüllte, ist mehr als verdächtig. Es kann natürlich sein, dass das Heinzlmännchen eher für’s Abgeben richtiger Musik-Tipps zu gebrauchen ist als dafür, die Einschaltquoten zu steigern. Vielleicht aber wusste er auch etwas, was außer ihm und ein paar Eingeweihten aus dem ORF zu diesem Zeitpunkt noch niemand wissen durfte? Das soll jetzt keine Betrugsunterstellung sein, aber erstaunlich ist es schon.

2. Der ORF hat die Zuschauer auf sehr subtile Weise beeinflusst:
Sätze wie „Nadine Beiler ist bei internationalen Buchmachern ganz weit vorne“, die über die Sendung verteilt mehrfach fielen, dürften keinen unwesentlichen Beitrag zum Erfolg der Tirolerin geleistet haben. Bekanntlich wird vor allem für jene Interpreten abgestimmt, denen von Experten die größten Chancen eingeräumt werden. Wer auch immer diese Experten sind…

3. Es gab eine Panne bei der Abstimmung:
Der ORF fiel in letzter Zeit immer wieder negativ durch technische Pannen auf – vor allem bei Sportübertragungen. Auch gestern gab es ein paar technische Probleme – unter anderem beim Auftritt der Band WG oder beim Zuordnen der richtigen Nummern zu den richtigen Acts. Nicht ganz abwegig erscheint daher der Gedanke, dass auch bei der Abstimmung etwas daneben gegangen ist.

4. Die anderen waren zu gut:
Denkbar ist auch, dass bei der Endabstimmung die Drähte für die Trackshittaz und Klimmstein feat. Joe Sumner so heiß liefen, dass sie durchgeschmort sind und deshalb keine Anrufe mehr für sie durchkamen. Damit waren sie natürlich aus dem Rennen. Unwahrscheinlich, aber eine Theorie…

5. Die Generation 50+ hat entschieden:
Die Vermutung liegt nahe, dass Nadine Beiler nicht unbedingt die erste Wahl der österreichischen Jugend gewesen ist. Es dürfte eher die ORF-Hauptzielgruppe gewesen sein, nämlich die Generation 50+, die „The Secret Is Love“ auf Platz „eins“ gewählt hat. Ich wage nämlich zu behaupten, dass diese Generation kann mit der Musik von Trackshittaz und Klimmstein feat. Joe Sumner nicht allzu viel anfangen kann. Dann doch lieber eine solide Ballade…

6. Österreich setzt prinzipiell auf Acts ohne Ambitionen:
Genauso denkbar ist, dass sich die Österreicher aus Prinzip weigern, Siegertypen zum Songcontest zu schicken. Einfach deshalb, um schon in der Vorrunde auszuscheiden und sich so die weitaus größere Peinlichkeit eines möglichen letzten Platzes vor einem 125 Millionen-Publikum zu ersparen.

Das sind natürlich alles Spekulationen. Was allerdings feststehen dürfte, ist, dass wir uns mit dieser Wahl keinen Gefallen getan haben. Auf der Online-Plattform der OÖ Nachrichten gibt es bereits eine Abstimmung, aus der eindeutig hervorgeht, dass Nadines Siegchancen ziemlich gering eingeschätzt werden. Noch heißt es abwarten, das ist klar. Allerdings ist zu befürchten, dass die Beiler-Ballade in Düsseldorf zu unserem Requiem wird

Monsignore hat gesprochen.

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1 Kommentar(e)

  1. Du hast die masgebliche und wahrscheinlichst einfachste Theorie 7 vergessen mein lieber Monsignore,

    Ich nenne sie wagemutig und etwas provokant : Die Milch wird billiger !

    Der Trend im Jahre 2011 lautet : Spiesertum – Das System muss sich erst Tod laufen

    Wohl anzumerken beziehungsweise die Frage die man sich vorweg stellen sollte lautet – wieviele Jugendliche werden wohl am Freitag Abend zu Hause sitzen und ORF schauen ? Die pseudo coolen Kids sicher nicht und die wirklich “coolen kids” die schauen ORF schon mal gar nicht, also ist nicht zu erwarten das eine andere Entscheidung in Sachen Voting von den Östereichern getroffen wird als Nadine Beiler, das haben wir den leicht zu beeinflussenden Menschen im Fortgeschrittenen Alter zu verdanken, da teile ich mit dir in gewissen Punkten die man wohl noch weiter zu definieren hat, die Ansicht die du in Theorie 5 vertrittst.

    Die ich möchte nicht sagen Dumme – tue das aber trotzdem – Generation 50+ hat sich wie bei der EU Wahl leicht beeinflussen lassen mit zum Beispielt Argumenten wie und jetzt kommen wir wieder zu meiner gewagten Überschrift – Die Milch wird billiger, ich wiederhole – DIE MILCH WIRD BILLIGER ( hahaha-bitter aber wahr)….. Mit solchen Argumenten wurden sie gelockt und sind in die Falle getappt und so in der Art wird es auch bei der ORF-Entscheidungsshow gewesen sein wo wir wieder etwas von deiner Theorie 2 entnehmen können.

    Aber nichts desto trotz, lag es wohl am meisten daran das wie gesagt die Jugendlichen dieser Zeit die eine gescheite eigene Meinung haben und diese auch vertretten und zudem noch nicht all zu sehr vom Spiesertum beeifnlusst wurden, einfach nicht geschaut haben sondern sich besoffen, -drogen genommen haben oder ins Kino gefahren sind.

    Das alles könnte man jetzt noch viel weiter führen, was ich mit dem Trend 2011 bereits angedeutet habe, was ich auch bereits mit einigen Leuten getan habe und wir kamen zu dem Entschluss das sich das System erst Tod laufen muss – aufzuhalten ist es nicht mehr – das geht aber schon etwas zu weit in Philosophie aber diesen Trugschluss wollte ich dir nicht verschweigen.

    Betrachtet euch als gegrüßt.


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