Homo-Ehe: Wie viel Gleichberechtigung darf sein?

„Herr Müller, wollen Sie den hier anwesenden Herrn Meyer durch die Unterzeichnung dieses gültigen Rechtsvertrages zu Ihrem gesetzlich legitimen Lebenspartner nehmen?“ So kompliziert, lieblos und abstrus dieser Satz auch sein mag, viel mehr bewegende Worte wird der zuständige Bezirkshauptmann bzw. Magistratsbeamte, der die formlose „Vermählungs-Zeremonie“ von schwulen und lesbischen Pärchen in Zukunft durchführen wird, kaum finden. Die „Homo-Hochzeit“ ist zwar beschlossene Sache, hat aber mit der richtigen Trauung nicht viel gemeinsam.

Eine völlige Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Ehen mit jenen zwischen Mann und Frau wurde von der Koalition nämlich abgelehnt. Die nicht-heterosexuelle Minderheit Österreichs hat trotzdem Grund zum Jubeln. Endlich findet ihre bis dato „verbotene“ Beziehung entsprechende rechtliche Anerkennung. Der Großteil derer, die von dem neuen Gesetz profitieren, zeigt sich auch durchaus zufrieden über diese „Errungenschaft“. Der Beschluss geht daher für sie in Ordnung. Eine Unterschrift, die einen geliebten Menschen, sei es nun ein Mann oder eine Frau, im Trennungs- bzw. Todesfall finanziell entsprechend absichert, tut schließlich keinem weh. Auch die Beanspruchung des Alleinverdienerabsetzbetrags in homosexuellen Haushalten wird den Staat nicht in den Bankrott führen. Außerdem ist die Regelungen, die bezüglich Namensänderung oder Bleiberecht für ausländische Lebenspartner getroffen wurden, wohl durchdacht und gelungen.

Der erste Schritt ist also getan. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, wie die Gesellschaft darauf reagieren wird. Natürlich, wir leben im 21. Jahrhundert und ja, von uns zivilisierten Westeuropäern darf man sich zurecht ein gewisses Maß an Toleranz erwarten. Aber – und jetzt kommt das große ABER: Trotz aller Zugeständnisse von Seiten der Regierung, trotz aller Rücksichtnahme und Freundschaft:

 

 

Die Homo-Pärchen sollten deswegen in Zukunft ihre Zusammengehörigkeit, zumindest in der Öffentlichkeit, nicht allzu provokant zur Schau stellen.

In eigenen Szene-Lokalen, Clubs und natürlich ihren eigenen vier Wänden dürfen, können und sollen sie nach Herzenslust ihrer Liebe frönen. In der Öffentlichkeit, die in Österreich eher konservativ und vom vorherrschenden Katholizismus geprägt ist, haben aber viele Menschen ein Problem damit, wenn homosexuelle Neigungen vor ihren Augen allzu ungeniert ausgelebt werden. Ich spreche hier nicht vom Händchen halten oder flüchtigen Kuss, sondern davon, ihren „Trieben“ in jener Weise freien Lauf zu lassen, wie verliebte Teenager-Pärchen es gerne tun. Das muss wirklich nicht sein und erregt klarerweise Anstoß.

Jedem sei seine Art der Liebe gegönnt, denn jeder hat ein Anrecht auf persönliches Glück. Aber ein gutes Zusammenleben in der Gesellschaft funktioniert nur, wenn man die Ansichten, Meinungen und Gefühle seiner Mitmenschen respektiert. Rücksicht heißt das Zauberwort. Man sollte seine Mitmenschen selbstverständlich fair behandeln und sie nicht wegen ihrer Sexualität verurteilen. Trotzdem sollten sich die Homosexuellen, was sie in der Regel Gott sei Dank tun, auch in Zukunft mit dem öffentlichen Austausch von Zärtlichkeiten zurückhalten. Es wird nämlich noch dauern, bis alle Vorbehalte gegen diese Verbindungen verschwunden sind, aber ich denke, dass wir schon auf einem sehr guten Weg sind!

Monsignore hat gesprochen

4 Kommentare

  1. Also, lieber Mario, du hast dich ja in deinem Artikel verglichen mit unserer Diskussion sehr zurückgehalten, muss ich sagen!
    Wie ich schon damals bekräftigt habe, verhalten sich homosexuelle Paare in 95% der Fälle eh äußerst zurückhaltend, was das Ausleben ihrer Liebe im öffentlichen Raum betrifft. Mir persönlich geht’s halt immer noch so, dass es mich auch bei heterosexuellen Paaren im gleichen Maße stören würde (bzw. stört – das passiert quasi eh jeden Tag irgedwann mal), wenm sie 50 cm neben mir zu knutchen beginnen. Aber gut, das empfindet eben jeder anders.
    Vielleicht kommst du irgedwann mal zu der Einstellung, diese Art der Liebe vollends zu akzeptieren und v.a. zu respektieren. :)

  2. Great job :) not just this blog but all of it. I like to read your writting although I am not so into Graz and Austria but it is always good to hear what Austrian people have to say about their native country. Keep on :)

    • Thank you for your comment. I am trying my best to live up to my readers’ expectations ;)


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