2. März 1962: Basketball, Birma und Bon Jovi

Manchmal, da sitzt man draußen in der Sonne und kommt ins Grübeln. Man fragt sich unwillkürlich: Was war denn eigentlich auf den Tag genau vor 50 Jahren so alles los? Was kann damals schon Weltbewegendes passiert sein? Man ertappt sich dabei, dass einen der Gedanke nicht mehr los lässt und man beginnt zu recherchieren. Dabei stellt man fest, dass sich an diesem 2. März 1962 doch mehr ereignet hat, als man angenommen hatte. Drei besonders interessante Fakten habe ich in diesem Blogeintrag festgehalten:

Geburt des Rockstars Jon Bon Jovi
Als John Francis Bongiovis Mutter am 2. März 1962 im Kreissaal das Schreien ihres Babys hörte, dachte sie wohl nicht, dass dieses Jahre später einmal Millionen schwer sein würde. Ihr Sohn sollte nämlich mit Rock-Hymnen wieIt’s my life“, “Livin’ On A Prayer” oder “You Give Love a Bad Name” die internationalen Charts erstürmen. Dafür, dass er laut eines dämlichen Blogeintrags schon seit Dezember tot sein soll, erfreut er sich auch heute noch erstaunlich guter Gesundheit. Ein Hoch auf den sympathischen Weltstar!

100 Punkte in einem Match
Die amerikanische Basketball-Profiliga (NBA) hat viele große Namen hervorgebracht: Earvin “Magic” Johnson, Michael Jordan, Kobe Bryant usw. Sie alle haben den “Most Valuable Player”-Award gewonnen, jene Auszeichnung, die sie zum wertvollsten Spieler der Liga erklärt. Doch eine Legende, diesen Preis gleich viermal einheimsen konnte, ist den meisten von uns weitgehend unbekannt. Sein Name ist Wilt Chamberlain und er ist bis heute der einzige NBA-Spieler, der allein 100 Punkte in einem Spiel erzielte. Gelungen ist ihm dieser Rekord am 2. März 1962 im Match seiner Philadelphia Warriors gegen die New York Knicks. Von all den großartigen Spielern, die nach ihm kamen, schaffte es bis heute niemand, an diesen Wert heranzukommen. Im Ewigen Ranking liegt Kobe Bryan mit 81 erzielten Punkte in einem Match abgeschlagen auf Platz 2.

Militärputsch in Myanmar
Der burmesische Streitkräfte-Staatschef Ne Win putschte sich an diesem Tag an die Macht. Er errichtete eine nationalistisch und marxistisch geprägte Militärdiktatur, die das südostasiatische Land von der internationalen Gemeinschaft abschottete. Erst im Oktober 2010 wurden wieder Parlamentswahlen abgehalten, im März 2011 übernahm eine nominell zivile Regierung die Macht. Nach fast 50 Jahren Gewaltherrschaft hält nun also langsam die Demokratie Einzug. In Nordkorea, das bereits seit den 1950er-Jahren autokratisch regiert wird, zeichnet sich noch kein Gesinnungswandel ab. Zumindest die Atomtests legt der junge Diktator Kim Jong-un vorübergehend auf Eis…

Hätten Sie das gewusst? Ich auch nicht! Aber wie man sieht, war der 2. März 1962 doch ein ziemlich geschichtsträchtiger Tag.

Monsignore hat gesprochen.

Österreich gegen Finnland: Not schlägt Elend 3:1

Zur Abwechslung einmal ein positiver Start ins neue Fußballjahr: Gestern besiegte Österreichs Nationalmannschaft in einem Freundschaftsspiel das Team von Finnland mit 3:1. Dass dieser gelungene Auftakt gerade an einem 29. Februar gefeiert wurde, hat beinahe schon Symbolkraft. Betrachtet man nämlich die Ergebnisse*, die Österreichs Nationalmannschaft zwischen 2005 und 2012 im jeweils ersten Auftakt-Match der Länderspielsaison erzielt hat, so stellt man fest: Von diesen acht Partien wurden insgesamt nur zwei gewonnen. Das wiederum bedeutet, dass ein Sieg Österreichs im ersten Länderspiel der Saison ebenso selten ist wie ein Schaltjahr.

Woran das liegen könnte, haben unsere Kicker gestern wieder eindrucksvoll demonstriert. In einer einschläfernden ‘Not gegen Elend’-Partie ist es ihnen gelungen, das völlig zahnlose Finnen-Team quasi kampflos niederzuringen. Man merkte förmlich, dass sich am Platz die Nummer 71 (AUT) und 79 (FIN) der FIFA-Weltrangliste gegenüber standen. Das, was den 10.200 Zuschauern 90 Minuten lang geboten wurde, verdient die Bezeichnung “Fußball” nicht.

Man vermisste so ziemlich alles, was den an sich großartigen Sport ausmacht: Es gab keine Ideen, keine Leidenschaft und auch kaum gelungene Spielzüge. Hatten sich die Österreicher einmal eine Torchance herausgearbeitet, dann wurde diese meist stümpferhaft vergeben. Wer diese Begegnung vor dem TV-Gerät verfolgte, musste sich richtiggehend zwingen, nicht auf einen anderen Sender umzuschalten. Selbst die Tatsache, dass das Leder insgesamt viermal (dreimal davon auf der richtigen Seite) ins Tor buxiert wurde, konnte die Zuschauer kaum für die knapp zwei Stunden verlorene Lebenszeit entschädigen.

Sieht man sich die individuelle Klasse der österreichischen Fußballer an, so ist die Ratlosigkeit über diese schwachen Team-Darbietungen berechtigt. Viele davon verdienen ihr Geld außerhalb der Heimat, die meisten davon bei starken Bundesliga-Vereinen in Deutschland. Für ihre Mannschaften sind sie echte Stützen. Doch wenn man diese Legionäre gemeinsam unter der rot-weiß-roten Flagge spielen lässt, ist ihre Leistung meistens unter aller Kritik. Woran das liegt, das wissen wohl nicht einmal die Kicker selbst. Einen Stressfaktor kann man nach den enttäuschenden Resultaten der Vergangenheit jedoch ausschließen: übertriebenen Erwartungsdruck. Wer sich als Österreicher ein Länderspiel “antut”, weiß nämlich, dass er mit dem Schlimmsten rechnen muss.

Monsignore hat gesprochen.

*Hier geht’s zu den ÖFB-Ergebnislisten:

Länderspiele 2004 bis 2007
Länderspiele 2008 bis 2010
Länderspiele 2011 bis heute

Wenn der Kuckuck die Kinder bringt…

Ein altes Märchen besagt, dass die Babys vom Storch gebracht werden. Im oberösterreichischen Bezirk Steyr-Land scheint in den letzten 24 Jahren jedoch viermal der Kuckuck eingesprungen zu sein. Allerdings legte dieser seine Eier nicht in verschiedene fremde Nester, sondern dreist in ein und dasselbe.

Wie die OÖNachrichten schon letztes Jahr berichteten, ist Albert S. aus der Gemeinde Laussa jener Unglücksrabe, der beim Ausbrüten dieser Eier geholfen hat. Stolz zog er zusammen mit seiner Lebensgefährtin vier Kinder groß, nicht ahnend, dass jedes einzelne davon die Frucht fremder Lenden ist. Erst über zwei Jahrzehnte später kam der mehrfache Betrug ans Licht. Vor zwei Wochen wurden Albert S. 44.000 Euro Schadenersatz plus Zinsen für den ältesten “Sohn” zugesprochen, für den er 22 Jahre lang alles bezahlt hatte. Als dessen leiblicher Vater wurde der Altbauer Franz St. (73) identifiziert, der auch die zwei jüngeren Kinder im Alter von 13 und 15 Jahren gezeugt hat. Für diese fordert S. nun auch eine angemessene finanzielle Entschädigung.

Nun ließe sich natürlich darüber streiten, was es bringen soll, rückwirkend ein paar Tausender für das Aufziehen der Kinder zu fordern? Kein Geld der Welt kann Albert S. das Gefühl ersetzen, das er hatte, als er “seine” Kinder zum ersten Mal im Arm hielt. Nichts kann ihm all die Liebe, die Mühe und die Zeit vergelten, die er den fremden Kindern geschenkt bzw. gewidmet hat. Den einzigen Lohn, den sich der Mann für seine gebrachten Opfer wünschte, war die Bezeichnung “Papa”. Und eben diese eine Freude hat ihm seine Ex-Freundin, die sein Vertrauen und seine Gutmütigkeit über Jahre hinweg schamlos ausgenutzt hat, genommen.

Mit dem Geld, das ihm das Gericht zweifellos noch zusprechen wird, könnte sich Albert S. eine Eigentumswohnung, einen Porsche oder andere Luxusartikel kaufen. Laut den OÖNachrichten will er es aber lieber den Kindern geben. Ob er mit diesen überhaupt noch Kontakt haben darf, wird sich zeigen. Da er nicht ihr leiblicher Vater ist, wird er vermutlich auf das Wohlwollen der Mutter angewiesen sein. Man darf gespannt sein, ob sie ihm nach all dem Lug und Trug in der Vergangenheit zumindest diesen kleinen Wunsch erfüllt.

Monsignore hat gesprochen.

Facebook-Zensur: Ausbluten erlaubt, Stillen verboten

Zerquetschte Körperteile? Kein Problem! Obszöne Statuseinträge? Völlig ok! Hakenkreuzfahne mit lustiger Bildunterschrift? Akzeptiert! Wie unlängst auf Spiegel Online zu lesen war, hat Facebook hat klare Richtlinien, welche Inhalte es in seinem Sozialen Netzwerk duldet und welche nicht. Diese Regelungen sind in den Facebook Community Standards festgeschrieben, allerdings nur ziemlich oberflächlich. Wie die Facebook-Prinzipien im Detail aussehen, hat nun der US-Blog Gawker enthüllt. Dieser bekam nämlich ein Dokument von einem unzufriedenen Mitarbeiter des Social-Media-Dienstleisters oDesk zugespielt, welcher stellvertretend für Facebook die Millionen-Community kontrolliert.

Die darin enthaltenen Regeln sind zwar kein Skandal, aber dafür ziemlich seltsam. So dürfen Kontrolleure zum Beispiel Sätze wie “Hallo Mädels, mein Freund XY könnte einen Blowjob vertragen! ;) einfach so stehen lassen, während Meldungen wie “Schickt mir eine Nachricht, wenn ihr heute Nacht Spaß haben wollt!” laut Regelwerk gelöscht werden müssen. Der Grund: Während der erste Eintrag klar unter die Kategorie “Witz” fällt, stellt der zweite klar die Anbahnung einer sexuellen Handlung dar – ein absolutes No-Go! Zu löschen wäre die erste Meldung nur, wenn sich besagter Freund XY dadurch gemobbt fühlen und sich bei Facebook darüber beschweren würde.

Auch was die Bilderkontrolle betrifft, hat Facebook ganz eigene Moralvorstellungen. Extremes Bluten, tiefe Schnittwunden und zerquetschte Extremitäten aller Art stellen – sofern nicht gerade die Hirnmasse rausläuft – kein Problem dar. Aber wehe, eine Mutter lädt ein Foto davon hoch, wie sie ihr Kind stillt. Dann schreiten die Sittenwächter ein und verbannen die frivol zur Schau gestellten weiblichen Brüste aus dem Netzwerk. Für Männer, die oben ohne für die Kamera posieren, gilt diese Regelung freilich nicht. Ebenso wenig toleriert werden Schnappschüsse, auf denen Frauen eine derart enge Hose anhaben, dass sich die primären Geschlechtsteile abzeichnen. Sexdarstellungen, ob nackt oder in voller Montur, haben in Facebook ebenfalls keinen Platz.

Wenn jedoch jemand gemütlich einen Joint raucht, dann ist das völlig ok. Auch am Hochladen und Publizieren von “Hass-Symbolen” wie Nazi-Flaggen oder Hitlerfotos findet Facebook nichts Störendes, solange man deren Brisanz durch eine entsprechende Bildunterschrift entschärft. Flaggen dürfen auch so ziemlich alle brennen, mit Ausnahme der türkischen. Von der bildlichen Dokumentation von Essstörungen, Selbstverstümmelung und Tierquälerei ist ebenfalls Abstand zu nehmen, wobei letzteres erlaubt ist, wenn es “im Kontext von Nahrungsverarbeitung oder der Jagd, wie sie in der Natur vorkommt” geschieht. Wer sich alle obskuren Facebook-Regeln im Detail anschauen möchte, braucht nur auf diesen Link zu klicken. Nach deren Lektüre wissen Sie genau, mit welchen Inhalten Sie Mark Zuckerberg besser nicht verärgern sollten…

Monsignore hat gesprochen.

ACTA: Internet-Junkies droht “kalter Entzug”

Jeder hat die Droge genommen. Sie ist schließlich verdammt günstig. Schon ab neun Euro kann man sich einen ganzen Monat lang damit berauschen – oder besser gesagt bespaßen. Ab 15 Euro aufwärts gibt’s den Kick sogar in High-Speed. Ja, das Internet ist zweifellos das stärkste Suchtmittel des 21. Jahrhunderts.

Es schenkt uns einen Zugang zu einem schier unerschöpflichen Angebot an Informationen, Bildern und Videos. Nicht einmal der stärkste LSD-Trip bietet eine derart große Fülle an Eindrücken. Überdies ist man im WWW nicht an seine irdische Erscheinungsform gebunden. Man kann sein, wer oder was man will, bei Bedarf sogar mehrere Personen gleichzeitig. Soziale Netzwerke, Foren und freie Weblogs ermöglichen es jedem, seine Ansichten und Gefühlsregungen mitzuteilen oder im Schutze der Anonymität Kontakte zu knüpfen. Dank den Cloud-Diensten haben wir immer und überall Zugriff auf unsere Daten und in Online-Shops finden wir auf Anhieb das, was wir im Geschäft vermutlich ewig suchen würden.

Angesichts dieser Annehmlichkeiten ist es kein Wunder, dass wir alle in die Abhängigkeit der Droge Internet geraten sind. Die vergleichsweise harmlosen “Nebenwirkungen“, die deren Gebrauch mit sich bringt, nehmen wir daher billigend in Kauf. Ab und zu liest mal ein Trojaner unsere Daten aus, Google analysiert unser Suchverhalten und die eine oder andere E-Mail von einem kriminellen Download-Portal flattert in den Posteingang. Viel mehr kann einem erfahrenen User nicht passieren. Natürlich ist das alles sehr ärgerlich, aber nicht so abschreckend, dass man sofort die Finger vom Internet ließe.

Doch nun, da wir alle längst angefixt sind, droht uns das ACTA-Abkommen auf kalten Entzug zu setzen. Es könnte uns das Internet, wie wir es kennenlernen durften, wieder wegnehmen. Damit würde vieles von dem, was wir bislang problem- und sorglos im Netz machen konnten, strafbar werden. Das Bereitstellen von Videos, das Verbreiten von Botschaften, das Teilen von Bildern – all das könnte laut dem folgenden Anonymous-Video bald eine kriminelle Handlung darstellen, für die es erhebliche Konsequenzen geben könnte.

Allmählich beginne ich mich zu fragen, ob all die Jahre zuvor nur dazu gedient haben, uns mit dem schönen Schein zu ködern. Das, was wir als Segen betrachtet haben, könnte sich schon bald – wie jede andere Droge auch – als eine gewaltige Mogelpackung entpuppen. Mit der anfänglichen Euphorie, den Freiheiten und Möglichkeiten, die das Internet uns gegeben hat, wäre es dank ACTA von heute auf morgen vorbei. Zwar wage ich zu bezweifeln, dass das Abkommen in im Video gezeigter Schärfe realisiert und exekutiert wird. Allerdings ist ACTA ein weiterer Schritt in Richtung Zensur und Überwachung.

Die Menschen sind nicht bereit, sich für die Nutzung des Internets bespitzeln und sanktionieren zu lassen. Aus diesem Grund finden zur Zeit zahlreiche Anti-ACTA-Demonstrationen statt. Kleinere Erfolge konnten dabei, zumindest in Österreich, bereits erzielt werden. Bis zur Entscheidung des europäischen Parlaments wird das Abkommen nicht ratifiziert. Bleibt zu hoffen, dass dieses der ACTA eine Absage erteilt. Falls nicht, ist es nämlich nicht ausgeschlossen, dass bereits ein falscher Klick mit der Maus zu einem Klicken der Handschellen führt.

Stammzellen-Burger: Fastfood aus der Retorte

“Wenn Sie Ihre Fleischpflanzerl (bayr. für Fleischlaibchen) jeden Tag mit der Nährlösung gießen, dann sind sie in einer Woche so groß, dass Sie sie essen können!” Ratschläge wie diese könnten Kunden in nicht allzu ferner Zukunft an der Fleischtheke im Supermarkt bekommen. Sollte das Retorten-Burger-Experiment niederländischer Wissenschaftler Erfolg haben, ist es nicht ausgeschlossen, dass man anstatt der üblichen 50 Deka Hackfleisch bald nur noch ein Packerl Rinderstammzellen bei der Verkäuferin bestellen kann.

Stammzellen aufs Brot, do host wos drauf!

Biologen an der Uni Maastricht versuchen nämlich, bis Oktober Fleisch aus tierischen Stammzellen nachzubauen. Der Anspruch ist simpel: Das Endprodukt sollte nach Möglichkeit gleich aussehen und schmecken wie natürlich entstandenes Fleisch. Der Zeitraum, in dem das Experiment gelingen soll, ist nicht nur zwei Monate kürzer als die Trächtigkeitsdauer einer Kuh. Nein, die Biologen sparen auch die etwa dreizehn Monate ein, die in der Regel von der Geburt eines Kalbs bis hin zu dessen Schlachtung vergehen. Anstatt den lästigen Prozess der Viehwerdung abzuwarten, produziert man das Aas einfach direkt! Raffiniert!

Das Hackfleisch des Horrors

In punkto Ethik ist der Stammzellen-Burger ungefähr auf einer Ebene mit Formfleisch anzusiedeln. Trotzdem hätten nur wenige Briten (laut Online-Umfrage im “Guardian”  etwa 30 Prozent) ein Problem damit, wenn sich eine Retorten-Bulette in ihrem Brötchen befände. Die Kosten für das Forschungsprojekt belaufen sich auf ca. 250.000 Euro, womit es – grob geschätzt – teurer sein dürfte als die Erschaffung von Frankensteins Monster.

Für dasselbe Geld bekäme man umgerechnet 1.188 350-Gramm-Steaks vom japanischen Kobe-Rind (Kilopreis: 600 Euro). Am Bauernhof könnte man dafür mehr als 55 Tonnen Bio-Rindfleisch kaufen und bei McDonald’s würde die Bedienung für diese Summe über 67.000 Big Macs auf dem Tablet stapeln. Ob der Geschmack des Viertel-Million-Euro-Burgers die Investition rechtfertigt, muss der edle Spender entscheiden. Ich für meinen Teil bezweifle die Sinnhaftigkeit des Experiments.

Monsignore hat gesprochen.

Was ist Ihre Meinung zu dem Thema? Lassen Sie es mich wissen, indem Sie an der Umfrage teilnehmen!

Learning by Drinking: Unterrichtsfach Saufen

Sich ansaufen, deppert aufführen und sich dabei filmen lassen: Was die Jugend hierzulande für das ATV-Format “Saturday Night Fever” macht, ist im Nordosten Deutschlands fixer Bestandteil des Stundenplans. An Brandenburgs Schulen wird Alkohol getankt – und zwar unter pädagogischer Aufsicht. Teenager im Alter von 15 bis 18 Jahren tauschen dort regelmäßig ihre Bücher gegen ein paar kühle Bierchen ein.

Nach jedem Getränk versuchen sich die Schüler an Konzentrationsübungen und schauen, ob sie eine Veränderung an sich feststellen und wie diese aussieht. Und damit die Jugendlichen mehr Nutzen vom Gelage haben als die unmittelbare Erfahrung und den Kater am nächsten Tag, wird das Experiment auch auf Video aufgezeichnet. Auf diese Weise können die Lehrer ihren Schützlingen deren peinliches Gebahren vor Augen führen, wenn diese wieder nüchtern sind. Rechtlich gedeckt ist die ganze Aktion durch die Unterschrift der Eltern, welche im Vorfeld festlegen, welche Alkoholmengen sich die Tochter oder der Filius einverleiben darf.

Doch das Pilotprojekt, das 2008 unter dem Namen “Lieber schlau als blau” gestartet wurde, hat meiner Ansicht nach einige Schwächen: So könnten die Kinder, die auf Wunsch der Eltern hin nicht am Experiment teilnehmen dürfen, sich ausgeschlossen und um die gemeinsame Rauscherfahrung mit den Mitschülern betrogen fühlen. Dies könnte dazu führen, dass sie diese Erlebnisse anderweitig nachholen – und zwar ohne fachliche Betreuung.

Andere Schüler wiederum könnten durch “schlechtes Abschneiden” im Unterricht geradezu motiviert werden, außerhalb des geschützten Projektumfeldes ein wenig zu trainieren. Das bedeutet: Sollte ein Jugendlicher zum Beispiel rauschbedingt erbrechen oder bereits nach wenigen Getränken stark beschwipst sein, könnte er versuchen, auf Wochenendpartys zu beweisen, wie viel er denn wirklich verträgt. Das Risiko, dass dieser Effekt eintritt, darf man daher nicht so ohne Weiteres außer Acht lassen. Trinkfeste Teenager hingegen könnten sich durch ein vergleichsweise “gutes Abschneiden” bei den Konzentrationstests im Rauschzustand darin bestätigt fühlen, dass ein paar Getränke ihnen nicht viel ausmachen. Dadurch sähen sie unter Umständen keine Notwendigkeit, am Wochenende auf den Alkoholkonsum zu verzichten.

So hehr die Ziele des “Lieber schlau als blau”-Projekt auch sein mögen: Es darf bezweifelt werden, dass die feucht-fröhlichen Praxiserfahrungen wirklich besser zur Suchtprävention taugen als trockene Theorievorträge. In Österreich wird das Konzept des betreuten Besäufnisses im Rahmen des Unterrichts noch nicht angewendet. Allerdings kommt der Entwickler von “Lieber schlau als blau”, Johannes Lindenmeyer, am 29. März nach Wien, um dort auf der Fachtagung “No risk, no fun?” seine Ideen vorzustellen. Man darf gespannt sein, wie diese dort aufgenommen werden.

Monsignore hat gesprochen.

Was ist Ihre Meinung zu dem Thema? Sagen Sie’s mir, indem Sie an der nachfolgenden Umfrage teilnehmen!

Land der Kinder

Monsignore ist nach einer etwas längeren Erholungspause wieder zurück. Und mit ihm ist endlich die gegenderte Hymne da! Die Gegner der Änderung haben bei ihrem Abwehrkampf gegen das Wort “Töchter” zwar zu ihrer mächtigsten Waffe – dem Leserbrief an die Kronen Zeitung – gegriffen, konnten aber selbst mit ihren schönsten Gedichten nicht rückwirkend verhindern, was längst beschlossen ist: Ab dem nächsten Jahr darf/kann/muss Man(n) die Töchter erwähnen, wenn Man(n) die Hymne singt – allerdings wird Man(n) wohl kaum bestraft werden, wenn Man(n) es nicht tut…

Nun gut, die Töchter kommen also fix in die Hymne. Aber wie werden sie am besten integriert? Die Politik hat noch nicht herausgefunden, wie sie die werten Damen am besten einbaut, damit die Melodik beim Singen nicht verloren geht. Das ist die Frage, mit der sich die Politik in nächster Zeit eingehend beschäftigen wird.

Sie wird sich das Hirn zermatern, ob es nun “Heimat bist du großer Töchter, Söhne” oder “Heimat großer Töchter und großer Söhne” oder “Heimat großer Töchter und Söhne” heißen soll. Doch kann es überhaupt eine zufriedenstellende Entscheidung geben? Alle Versionen sind suboptimal – zumindest, wenn man die daran angeschlossene Zeile unverändert lässt. Würde man aber die nachfolgende Zeile nur geringfügig anpassen, so könnte der Wohlklang der Hymne ganz einfach beibehalten werden. Wie die Veränderung aussehen könnte? Hier zwei Beispiele:

1. “Heimat großer Töchter und Söhne,
wohl bekannt bist du für’s Schöne”

2. “Heimat großer Töchter und Söhne,
stehst seit jeher für das Schöne”

Wie man sieht, bedarf es nur ein wenig Logik und Flexibilität, um die österreichische Hymne den neuen Erfordernissen anzupassen. Andere Nationalhymnen der lieben Frauen wegen umzuschreiben dürfte da schon etwas schwieriger werden. Bei unseren deutschen Nachbarn zum Beispiel müsste gleich an mehreren Stellen nachjustiert werden. In der einzigen Strophe der deutschen Hymne sind nämlich zweimal “Vaterland” und einmal “brüderlich” enthalten. Ein Wahnsinn, dass angesichts dieser dreifachen Diskriminierung noch kein Aufschrei durchs Land gegangen ist…

Im Ernst: Es ist unverständlich, dass in den Medien so viel Wind um das Thema gemacht wird. Außerdem ist es lächerlich, wie sich manche Österreicher über die Änderung unserer Hymne aufregen. Denn seien wir ehrlich: Wer singt sie denn schon? Kein Mensch. Wozu auch? Wir haben viel zu selten Grund dazu. Im Sport beschränken sich unsere Erfolge aufs Schifahren und -springen. Und abgesehen vom Sport gibt es kaum andere Anlässe, die derart bedeutsam wären, dass man den Wunsch verspüren würde, die Hand aufs Herz zu legen und voller Inbrunst “Land der Berge” zu trällern. Doch die fehlende Motivation, die Hymne zu singen, ist nicht nur auf einen Mangel an Anlässen zurückzuführen. Ein Kommentar auf derstandard.at beschreibt den anderen Grund, den der Großteil der Österreicher insgeheim schon längst kennt: Die Hymne ist einfach nicht gut.

Angesichts dieser Tatsachen bleibt mir leider nichts anderes mehr übrig, als in Wolf Martin-Manier in den Wind zu reimen:

Land der großen Frauen und Männer,
bring doch dein Volk auf einen Nenner
der “Töchter”-Streit rein gar nichts bringt
da eh kaum wer die Hymne singt.
Wozu die Frauen diskriminieren?
wir haben doch eh nichts zu verlieren
drum nehmt die Töchter endlich rein
und dann soll bitte Ruhe sein!

Monsignore hat gesprochen.

Integrieren wird “geil”

Sein Posten ist noch jünger als er, obwohl das kaum möglich ist. Die Rede ist von Sebastian Kurz, der vor kurzem zu Österreichs erstem Integrationsstaatssekretär ernannt wurde. Was ihn dazu befähigt? Gute Frage. Seine zahlreichen politischen Errungenschaften dürften es wohl kaum sein. Allzu viel kann er auch noch gar nicht erreicht haben – ist er doch gerade einmal 24 Jahre alt. Und in diesem Alter hat man – dieses verallgemeinernde Urteil sei mir verziehen – bei weitem noch nicht die nötige Reife, um ein hohes politisches Amt zu bekleiden. Schon gar nicht jenes, dass mit dem heiklen Thema der Integrationspolitik betraut ist.

Warum gerade Kurz?

Dass sich auch ältere Politiker durchaus nicht immer für die Ämter eignen, die ihnen zugeteilt werden, soll gar nicht bestritten werden. Die Vergangenheit hat oft genug gezeigt, dass auch die alten Hasen nicht immer den in sie gesetzten Erwartungen gerecht werden. Nichtsdestotrotz ist es kaum nachvollziehbar, wie man einem frechen, geschniegelten Jungspund die Verantwortung für eine Aufgabe übertragen kann, an der sich viele seiner erfahreneren – und fachlich höher einzuschätzenden – VorläuferInnen die Zähne ausgebissen haben. Noch dazu, wo der neue Integrationsstaatssekretär im Rahmen seiner bisherigen politischen Tätigkeit überhaupt nichts Nachweisbares mit diesem Ressort zu tun gehabt hat!

Wird das “Geil-o-Mobil” zum “Integrati-o-Mobil”?

Kurz’ Bestrebungen galten bislang nämlich einzig und allein der Verbesserung des “Verkehrs” – egal welcher Form. So setzte er sich unter anderem für eine Nacht-U-Bahn, eine Magnetschwebebahn und ÖVP- (sprich mit Steuergeld) gesponserte Sammeltaxis in Wien ein. Darüber hinaus ließ Kurz zu Wahlkampfzwecken schwarze Kondome an (wie der Ausgang der Wien-Wahl zeigte nicht allzu) schwarzgeile Discobesucher verteilen – und zwar von hübschen Mädels mit engen Tops und einem großen Herzen für die Politik der Volkspartei.

“Schwarz macht geil”

Um besagte Damen und natürlich seine Wenigkeit angemessen von Party zu Party bringen zu können, investierte Kurz einen Teil des JVP-Wahlkampf-Budgets in das von Medien oft erwähnte “Geil-o-Mobil“.

Bleibt nur die Frage, ob er das “Geil-o-Mobil” auch in Zukunft verwenden wird, zB als Dienstfahrzeug? Der schwarze Hummer ist zwar wahrscheinlich weder besonders günstig noch emissionsarm, aber das dürfte für die JVP-Hoffnung Kurz kein Problem sein. Er ist ja schließlich weder Finanz- noch Umweltstaatssekretär. Wichtig ist deshalb nur, dass sein Dienstauto so “geil” ist wie die Politik, die er für Schwarzen machen wird. Die peinliche Aufschrift des Vehikels – sofern sie noch vorhanden ist – könnte Kurz nach seiner Beförderung aber vielleicht etwas abändern lassen, um seriöser zu wirken. So könnte er es zB in “Integrati-o-Mobil” umbenennen…

Auch wenn es grundsätzlich stimmt, dass man der engagierten Jugend eine faire Chance” geben soll, so muss man doch festhalten, dass das politische Mitgestalten in einem zumutbaren Rahmen erfolgen sollte. Einfach von heute auf morgen einen unreifen Partytiger wie Sebastian Kurz Chef spielen zu lassen, nur um zu schauen, was passiert, ist mit Sicherheit der falsche Weg.

Monsignore hat gesprochen.

PS: Wer – so wie ich – gegen Sebastian Kurz als Integrations-staatssekretär protestieren möchte, ist herzlich eingeladen, der hier verlinkten Facebook-Gruppe beizutreten.

Gestatten, Strasser, Detektiv!

Oft genug wird behauptet, dass EU-Parlamentarier kaum oder nicht für ihr Geld arbeiten würden. Diesen Vorwurf kann man dem österreichischen Abgeordneten Ernst Strasser nicht machen. Er ist nämlich nicht nur Politiker, sondern auch Detektiv. Während viele seiner faulen Genossen den ganzen Tag nur darüber philosophieren, was denn nun genau Marmelade ist oder aus welchem Tiermist man Biogas machen darf, legt sich Strasser auf die Lauer. Ziel seiner Jagd: Die Enttarnung krimineller Lobbys. Und bekommt der Mr. Undercover der EU-Politik tatsächlich ein unmoralisches Angebot von einem seiner Feinde, so versteht es sich von selbst, dass er auf eigene Faust zu ermitteln beginnt.

Viele seiner Kollegen würden solch schmutzige Angebote einfach ausschlagen, weil sie nicht den Mut und die Courage haben, dem Lobbying Einhalt zu gebieten. Aber Strasser ist keiner dieser Feiglinge. Das haben die jüngsten Medienberichte gezeigt. Er ging zum Schein auf den Vorschlag der Lobby-Vertreter ein, die EU-Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen. Er spielte ihr Spiel mit. Immer freundlich lächelnd, stets bemüht, seine schweren moralischen Bedenken nicht durchblitzen zu lassen, tischte er ihnen das Märchen vom korrupten EU-Politiker auf. Locker plauderte er über seine – natürlich frei erfundenen – bisherigen Lobbying-Tätigkeiten und seine professionelle Vorgehensweise dabei. Außerdem erwähnte er ganz beiläufig seine Honorarvorstellungen – eine schauspielerische Meisterleistung.


Oscarreif: Die Show von Ernst Strasser

In Wahrheit nämlich trachtete Detektiv Strasser nicht danach, Unmengen des schnöden Mammons in seine Tasche fließen zu lassen. Sein Bestreben galt einzig der Sammlung von Beweisen, die er, sobald die richtige Zeit dafür gekommen wäre, an die Polizei weitergeleitet hätte. Als ehemaliger österreichischer Innenminister weiß er schließlich genau, wie man Kriminellen das Handwerk legt. Die Chance, seine verdeckten Ermittlungen zu einem erfolgreichen Ende zu führen, bekam er aber leider nicht. Denn es stellte sich heraus, dass die Lobbyisten, denen er den Garaus machen wollte, Journalisten von der “Sunday Times” waren.

Diese versuchten herauszufinden, ob und welche EU-Parlamentarier bestechlich sind. Strasser ging blöderweise genau in jene Falle, die er eigentlich den Lobbyisten stellen wollte. Dieser Fehler hatte gleich zwei negative Folgen für Strasser: Abgesehen von dem riesigen Schock darüber, einen Geist gejagt zu haben, musste er auch noch jenen verkraften, der Korruption bezichtigt zu werden. Aus lauter Enttäuschung darüber, dass ihn seine Spürnase im Stich gelassen hatte, hängte er seinen Detektivhut an den Nagel und trat zugleich von all seinen Ämtern zurück. Richtig so! Das EU-Parlament hat selbstlose Aufklärer wie unseren Ernstl gar nicht verdient!

Monsignore hat gesprochen.

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