Land der Kinder

Monsignore ist nach einer etwas längeren Erholungspause wieder zurück. Und mit ihm ist endlich die gegenderte Hymne da! Die Gegner der Änderung haben bei ihrem Abwehrkampf gegen das Wort „Töchter“ zwar zu ihrer mächtigsten Waffe – dem Leserbrief an die Kronen Zeitung – gegriffen, konnten aber selbst mit ihren schönsten Gedichten nicht rückwirkend verhindern, was längst beschlossen ist: Ab dem nächsten Jahr darf/kann/muss Man(n) die Töchter erwähnen, wenn Man(n) die Hymne singt – allerdings wird Man(n) wohl kaum bestraft werden, wenn Man(n) es nicht tut…

Nun gut, die Töchter kommen also fix in die Hymne. Aber wie werden sie am besten integriert? Die Politik hat noch nicht herausgefunden, wie sie die werten Damen am besten einbaut, damit die Melodik beim Singen nicht verloren geht. Das ist die Frage, mit der sich die Politik in nächster Zeit eingehend beschäftigen wird.

Sie wird sich das Hirn zermatern, ob es nun „Heimat bist du großer Töchter, Söhne“ oder „Heimat großer Töchter und großer Söhne“ oder „Heimat großer Töchter und Söhne“ heißen soll. Doch kann es überhaupt eine zufriedenstellende Entscheidung geben? Alle Versionen sind suboptimal – zumindest, wenn man die daran angeschlossene Zeile unverändert lässt. Würde man aber die nachfolgende Zeile nur geringfügig anpassen, so könnte der Wohlklang der Hymne ganz einfach beibehalten werden. Wie die Veränderung aussehen könnte? Hier zwei Beispiele:

1. „Heimat großer Töchter und Söhne,
wohl bekannt bist du für’s Schöne“

2. „Heimat großer Töchter und Söhne,
stehst seit jeher für das Schöne“

Wie man sieht, bedarf es nur ein wenig Logik und Flexibilität, um die österreichische Hymne den neuen Erfordernissen anzupassen. Andere Nationalhymnen der lieben Frauen wegen umzuschreiben dürfte da schon etwas schwieriger werden. Bei unseren deutschen Nachbarn zum Beispiel müsste gleich an mehreren Stellen nachjustiert werden. In der einzigen Strophe der deutschen Hymne sind nämlich zweimal „Vaterland“ und einmal „brüderlich“ enthalten. Ein Wahnsinn, dass angesichts dieser dreifachen Diskriminierung noch kein Aufschrei durchs Land gegangen ist…

Im Ernst: Es ist unverständlich, dass in den Medien so viel Wind um das Thema gemacht wird. Außerdem ist es lächerlich, wie sich manche Österreicher über die Änderung unserer Hymne aufregen. Denn seien wir ehrlich: Wer singt sie denn schon? Kein Mensch. Wozu auch? Wir haben viel zu selten Grund dazu. Im Sport beschränken sich unsere Erfolge aufs Schifahren und -springen. Und abgesehen vom Sport gibt es kaum andere Anlässe, die derart bedeutsam wären, dass man den Wunsch verspüren würde, die Hand aufs Herz zu legen und voller Inbrunst „Land der Berge“ zu trällern. Doch die fehlende Motivation, die Hymne zu singen, ist nicht nur auf einen Mangel an Anlässen zurückzuführen. Ein Kommentar auf derstandard.at beschreibt den anderen Grund, den der Großteil der Österreicher insgeheim schon längst kennt: Die Hymne ist einfach nicht gut.

Angesichts dieser Tatsachen bleibt mir leider nichts anderes mehr übrig, als in Wolf Martin-Manier in den Wind zu reimen:

Land der großen Frauen und Männer,
bring doch dein Volk auf einen Nenner
der „Töchter“-Streit rein gar nichts bringt
da eh kaum wer die Hymne singt.
Wozu die Frauen diskriminieren?
wir haben doch eh nichts zu verlieren
drum nehmt die Töchter endlich rein
und dann soll bitte Ruhe sein!

Monsignore hat gesprochen.

Integrieren wird „geil“

Sein Posten ist noch jünger als er, obwohl das kaum möglich ist. Die Rede ist von Sebastian Kurz, der vor kurzem zu Österreichs erstem Integrationsstaatssekretär ernannt wurde. Was ihn dazu befähigt? Gute Frage. Seine zahlreichen politischen Errungenschaften dürften es wohl kaum sein. Allzu viel kann er auch noch gar nicht erreicht haben – ist er doch gerade einmal 24 Jahre alt. Und in diesem Alter hat man – dieses verallgemeinernde Urteil sei mir verziehen – bei weitem noch nicht die nötige Reife, um ein hohes politisches Amt zu bekleiden. Schon gar nicht jenes, dass mit dem heiklen Thema der Integrationspolitik betraut ist.

Warum gerade Kurz?

Dass sich auch ältere Politiker durchaus nicht immer für die Ämter eignen, die ihnen zugeteilt werden, soll gar nicht bestritten werden. Die Vergangenheit hat oft genug gezeigt, dass auch die alten Hasen nicht immer den in sie gesetzten Erwartungen gerecht werden. Nichtsdestotrotz ist es kaum nachvollziehbar, wie man einem frechen, geschniegelten Jungspund die Verantwortung für eine Aufgabe übertragen kann, an der sich viele seiner erfahreneren – und fachlich höher einzuschätzenden – VorläuferInnen die Zähne ausgebissen haben. Noch dazu, wo der neue Integrationsstaatssekretär im Rahmen seiner bisherigen politischen Tätigkeit überhaupt nichts Nachweisbares mit diesem Ressort zu tun gehabt hat!

Wird das „Geil-o-Mobil“ zum „Integrati-o-Mobil“?

Kurz’ Bestrebungen galten bislang nämlich einzig und allein der Verbesserung des „Verkehrs“ – egal welcher Form. So setzte er sich unter anderem für eine Nacht-U-Bahn, eine Magnetschwebebahn und ÖVP- (sprich mit Steuergeld) gesponserte Sammeltaxis in Wien ein. Darüber hinaus ließ Kurz zu Wahlkampfzwecken schwarze Kondome an (wie der Ausgang der Wien-Wahl zeigte nicht allzu) schwarzgeile Discobesucher verteilen – und zwar von hübschen Mädels mit engen Tops und einem großen Herzen für die Politik der Volkspartei.

„Schwarz macht geil“

Um besagte Damen und natürlich seine Wenigkeit angemessen von Party zu Party bringen zu können, investierte Kurz einen Teil des JVP-Wahlkampf-Budgets in das von Medien oft erwähnte „Geil-o-Mobil„.

Bleibt nur die Frage, ob er das „Geil-o-Mobil“ auch in Zukunft verwenden wird, zB als Dienstfahrzeug? Der schwarze Hummer ist zwar wahrscheinlich weder besonders günstig noch emissionsarm, aber das dürfte für die JVP-Hoffnung Kurz kein Problem sein. Er ist ja schließlich weder Finanz- noch Umweltstaatssekretär. Wichtig ist deshalb nur, dass sein Dienstauto so „geil“ ist wie die Politik, die er für Schwarzen machen wird. Die peinliche Aufschrift des Vehikels – sofern sie noch vorhanden ist – könnte Kurz nach seiner Beförderung aber vielleicht etwas abändern lassen, um seriöser zu wirken. So könnte er es zB in „Integrati-o-Mobil“ umbenennen…

Auch wenn es grundsätzlich stimmt, dass man der engagierten Jugend eine faire Chance“ geben soll, so muss man doch festhalten, dass das politische Mitgestalten in einem zumutbaren Rahmen erfolgen sollte. Einfach von heute auf morgen einen unreifen Partytiger wie Sebastian Kurz Chef spielen zu lassen, nur um zu schauen, was passiert, ist mit Sicherheit der falsche Weg.

Monsignore hat gesprochen.

PS: Wer – so wie ich – gegen Sebastian Kurz als Integrations-staatssekretär protestieren möchte, ist herzlich eingeladen, der hier verlinkten Facebook-Gruppe beizutreten.

Gestatten, Strasser, Detektiv!

Oft genug wird behauptet, dass EU-Parlamentarier kaum oder nicht für ihr Geld arbeiten würden. Diesen Vorwurf kann man dem österreichischen Abgeordneten Ernst Strasser nicht machen. Er ist nämlich nicht nur Politiker, sondern auch Detektiv. Während viele seiner faulen Genossen den ganzen Tag nur darüber philosophieren, was denn nun genau Marmelade ist oder aus welchem Tiermist man Biogas machen darf, legt sich Strasser auf die Lauer. Ziel seiner Jagd: Die Enttarnung krimineller Lobbys. Und bekommt der Mr. Undercover der EU-Politik tatsächlich ein unmoralisches Angebot von einem seiner Feinde, so versteht es sich von selbst, dass er auf eigene Faust zu ermitteln beginnt.

Viele seiner Kollegen würden solch schmutzige Angebote einfach ausschlagen, weil sie nicht den Mut und die Courage haben, dem Lobbying Einhalt zu gebieten. Aber Strasser ist keiner dieser Feiglinge. Das haben die jüngsten Medienberichte gezeigt. Er ging zum Schein auf den Vorschlag der Lobby-Vertreter ein, die EU-Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen. Er spielte ihr Spiel mit. Immer freundlich lächelnd, stets bemüht, seine schweren moralischen Bedenken nicht durchblitzen zu lassen, tischte er ihnen das Märchen vom korrupten EU-Politiker auf. Locker plauderte er über seine – natürlich frei erfundenen – bisherigen Lobbying-Tätigkeiten und seine professionelle Vorgehensweise dabei. Außerdem erwähnte er ganz beiläufig seine Honorarvorstellungen – eine schauspielerische Meisterleistung.


Oscarreif: Die Show von Ernst Strasser

In Wahrheit nämlich trachtete Detektiv Strasser nicht danach, Unmengen des schnöden Mammons in seine Tasche fließen zu lassen. Sein Bestreben galt einzig der Sammlung von Beweisen, die er, sobald die richtige Zeit dafür gekommen wäre, an die Polizei weitergeleitet hätte. Als ehemaliger österreichischer Innenminister weiß er schließlich genau, wie man Kriminellen das Handwerk legt. Die Chance, seine verdeckten Ermittlungen zu einem erfolgreichen Ende zu führen, bekam er aber leider nicht. Denn es stellte sich heraus, dass die Lobbyisten, denen er den Garaus machen wollte, Journalisten von der „Sunday Times“ waren.

Diese versuchten herauszufinden, ob und welche EU-Parlamentarier bestechlich sind. Strasser ging blöderweise genau in jene Falle, die er eigentlich den Lobbyisten stellen wollte. Dieser Fehler hatte gleich zwei negative Folgen für Strasser: Abgesehen von dem riesigen Schock darüber, einen Geist gejagt zu haben, musste er auch noch jenen verkraften, der Korruption bezichtigt zu werden. Aus lauter Enttäuschung darüber, dass ihn seine Spürnase im Stich gelassen hatte, hängte er seinen Detektivhut an den Nagel und trat zugleich von all seinen Ämtern zurück. Richtig so! Das EU-Parlament hat selbstlose Aufklärer wie unseren Ernstl gar nicht verdient!

Monsignore hat gesprochen.

Mit der Beiler 0815 nach Düsseldorf

Österreichs junge Musiker haben Potenzial. Das zeigte sich gestern wieder bei der ORF-EntscheidungsshowDüsseldorf, wir kommen!“ über unseren Songcontest-Teilnehmer. Zehn sehr gute Beiträge, die alle auf ihre Weise besonders waren. Ob lustig, emotional, funky oder jugendlich frisch: Für jeden Geschmack war etwas dabei. Gewonnen hat letztendlich aber – wie sollte es auch anders sein – eine langweilige 0815-Nummer: Mit „The Secret Is Love“ fliegt Nadine Beiler für uns nach Düsseldorf.

Nadine hat am schönsten gesungen, das steht außer Frage. Doch ihre Ballade, egal wie kraft- und gefühlvoll sie sie auch vortragen wird, wird in Düsseldorf sang- und klanglos untergehen. Es gewinnt, das hat uns die Vergangenheit gezeigt, leider nie allein die beste Stimme. In der Regel stehen jene Nummern ganz oben, die das beste Gesamtpaket haben oder – wie das im Vorjahr bei Lena der Fall war – im Vorfeld am besten vermarktet wurden.

Bei unserer Teilnehmerin trifft leider nichts davon zu. Abgesehen von ihrer bemerkenswerten Stimme und ihrem süßen Lächeln hat unsere Teilnehmerin recht wenig Publikumswirksames zu bieten. Ihre zwei Konkurrenten Trackshittaz und Klimmstein feat. Joe Sumner, die sie in der gestrigen Entscheidungsshow ausstechen konnte, hätten bestimmt weitaus bessere Chancen gehabt, vorne dabei zu sein. Schon ganz einfach deshalb, weil sie originell sind und die Menschen mit ihrer frechen Bühnenshow mitreißen. Damit kann man die Zuschauer sicher eher begeistern, als das mit dem schönsten Liedchen möglich wäre.

Nadine Beiler: „The Secret Is Love“

Wie also ist es zu erklären, dass sich trotzdem die Ballade durchgesetzt hat? Dafür habe ich mehrere Theorien:

1. Es war von Anfang an beschlossene Sache:
Dass sich die Prophezeiung von ORF-Musik-Medium Dominic Heinzl, welcher indirekt alle drei der Finalisten und auch die Gewinnerin voraussagte, derart eindrucksvoll erfüllte, ist mehr als verdächtig. Es kann natürlich sein, dass das Heinzlmännchen eher für’s Abgeben richtiger Musik-Tipps zu gebrauchen ist als dafür, die Einschaltquoten zu steigern. Vielleicht aber wusste er auch etwas, was außer ihm und ein paar Eingeweihten aus dem ORF zu diesem Zeitpunkt noch niemand wissen durfte? Das soll jetzt keine Betrugsunterstellung sein, aber erstaunlich ist es schon.

2. Der ORF hat die Zuschauer auf sehr subtile Weise beeinflusst:
Sätze wie „Nadine Beiler ist bei internationalen Buchmachern ganz weit vorne“, die über die Sendung verteilt mehrfach fielen, dürften keinen unwesentlichen Beitrag zum Erfolg der Tirolerin geleistet haben. Bekanntlich wird vor allem für jene Interpreten abgestimmt, denen von Experten die größten Chancen eingeräumt werden. Wer auch immer diese Experten sind…

3. Es gab eine Panne bei der Abstimmung:
Der ORF fiel in letzter Zeit immer wieder negativ durch technische Pannen auf – vor allem bei Sportübertragungen. Auch gestern gab es ein paar technische Probleme – unter anderem beim Auftritt der Band WG oder beim Zuordnen der richtigen Nummern zu den richtigen Acts. Nicht ganz abwegig erscheint daher der Gedanke, dass auch bei der Abstimmung etwas daneben gegangen ist.

4. Die anderen waren zu gut:
Denkbar ist auch, dass bei der Endabstimmung die Drähte für die Trackshittaz und Klimmstein feat. Joe Sumner so heiß liefen, dass sie durchgeschmort sind und deshalb keine Anrufe mehr für sie durchkamen. Damit waren sie natürlich aus dem Rennen. Unwahrscheinlich, aber eine Theorie…

5. Die Generation 50+ hat entschieden:
Die Vermutung liegt nahe, dass Nadine Beiler nicht unbedingt die erste Wahl der österreichischen Jugend gewesen ist. Es dürfte eher die ORF-Hauptzielgruppe gewesen sein, nämlich die Generation 50+, die „The Secret Is Love“ auf Platz „eins“ gewählt hat. Ich wage nämlich zu behaupten, dass diese Generation kann mit der Musik von Trackshittaz und Klimmstein feat. Joe Sumner nicht allzu viel anfangen kann. Dann doch lieber eine solide Ballade…

6. Österreich setzt prinzipiell auf Acts ohne Ambitionen:
Genauso denkbar ist, dass sich die Österreicher aus Prinzip weigern, Siegertypen zum Songcontest zu schicken. Einfach deshalb, um schon in der Vorrunde auszuscheiden und sich so die weitaus größere Peinlichkeit eines möglichen letzten Platzes vor einem 125 Millionen-Publikum zu ersparen.

Das sind natürlich alles Spekulationen. Was allerdings feststehen dürfte, ist, dass wir uns mit dieser Wahl keinen Gefallen getan haben. Auf der Online-Plattform der OÖ Nachrichten gibt es bereits eine Abstimmung, aus der eindeutig hervorgeht, dass Nadines Siegchancen ziemlich gering eingeschätzt werden. Noch heißt es abwarten, das ist klar. Allerdings ist zu befürchten, dass die Beiler-Ballade in Düsseldorf zu unserem Requiem wird

Monsignore hat gesprochen.

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Good Bye Grundwehrdienst

Sie wettern, die Ewiggestrigen. Sie motzen und schießen sich auf den einzigen Menschen ein, der den Mut hat, eine Reform voranzutreiben, die längst überfällig ist: Norbert Darabos. Er will ein Berufsheer – und das ist auch gut so. Dass er diese begrüßenswerte Reform allen Widerständen zum Trotz durchbringen möchte, spricht für ihn. Es zeigt, dass er sich als einer der wenigen Politiker in unserem Land der Verantwortung gegenüber dem österreichischen Volk bewusst ist und im Sinne der Vernunft statt im Sinne der Partei handelt.

Zugute dürfte ihm bei seinem Kampf kommen, dass er nie beim Militär war bzw. vor seiner Ministertätigkeit nichts mit dem Bundesheer zu tun hatte. Nur so ist es ihm möglich, die Interessen der Allgemeinheit über die Interessen der eingeschworenen Offiziers-Gemeinde zu stellen. Eines ist nämlich offensichtlich: Die Wehrpflicht ist sinnlos geworden. Junge Männer, bei denen der Einberufungsbefehl ins Haus flattert, wissen nur eines: Ab dem Tag, an dem sie ihren Grundwehrdienst antreten, sind sie sechs Monate lang das Eigentum des Bundesheers. Wofür sie eingezogen werden, wissen sie aber nicht. Es wurde einmal in die Verfassung geschrieben, also hat man es nicht zu hinterfragen. Punkt Ende.

Nur keine Veränderung

Dass die Wehrpflicht zu einer Zeit in der Verfassung verankert wurde, als  auf der ganzen Welt äußerst instabile politische Verhältnisse herrschten, wird von den Offizieren, die sich nun auf ihren Chef eingeschossen haben, gerne verdrängt. Anstatt sich selbst bzw. das momentane Bundesheer kritisch zu hinterfragen, werfen sie Darabos vor, er handle „stalinistisch“ und fordern ihn zum Rücktritt auf. Er sei „in einer Demokratie untragbar geworden“, sogar als „Zumutung“ wird er bezeichnet. Unterstützung finden Entacher und Co. unter anderem bei der FPÖ, deren Wehrsprecher Peter Fichtenbauer sich dafür einsetzt, dass es keine personellen Konsequenzen geben dürfe, wenn Offiziere von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch machen.

Wie war das noch mit dem Respekt?

Recht hat er, der Herr Fichtenbauer! Vor allem beim Militär wird das Recht auf Meinungsfreiheit bekanntlich seit jeher hochgehalten. Jeder Soldat hat das Recht, seinem Vorgesetzten ordentlich die Meinung zu sagen. Genauso hat er auch das Recht, danach im Arrest darüber nachzudenken, was er gesagt hat. Allen Ernstes – hier läuft etwas grundlegend falsch: Jeder Rekrut, der sich erdreistet, im Rahmen seiner Grundausbildung in einer derartigen Tonalität Kritik am Ausbilder zu üben, bekommt dafür garantiert eine Ausgangssperre oder wird im schlimmsten Fall sogar ins Gefängnis gesteckt. Jeder Unteroffizier, der sich derart ungebührlich verhält, hat mit schweren Disziplinarstrafen zu rechnen. Und die Offiziere? Die äußern sich in einer absolut unangebrachten Art und Weise über ihren Chef und beschweren sich dann auch noch, wenn dieser mit personellen Konsequenzen droht. Die Vorschrift des Respekts für den Vorgesetzten scheint für sie nicht zu gelten…

 

Bald könnte das Bundesheer um seine Rekruten weinen...

Das Berufsheer als Chance begreifen

Dass sich die Offiziere nur deshalb gegen Darabos erheben, weil sie sich um den Schutz unseres Vaterlands sorgen, darf bezweifelt werden. Es dürfte ihnen allein um die Verteidigung des Status Quo gehen. Das ist aber auch das einzige, das das Bundesheer verteidigt: Die Landesverteidigung nämlich, auf die jeder Rekrut seinen Eid schwört, ist Gott sei Dank längst überflüssig geworden. Österreich ist Mitglied der EU, die Grenzen sind offen und für die innere Sicherheit sorgt – mehr oder minder gut – die Polizei. Rundherum gibt es keine Krisenherde, nicht die geringsten Anzeichen für einen Krieg. Wir haben das Glück, dass in Europa Frieden herrscht. Und die paar Katastrophen- und Auslandseinsätze, die das Bundesheer pro Jahr macht, können locker von einem Berufsheer übernommen werden.

Ein professionelles, topmotiviertes Berufsheer, in dem jeder seine Aufgaben gewissenhaft ausführt, taugt weitaus mehr als ein unmotiviertes Laienheer, in dem jeder nur widerwillig seinen Dienst versieht. Wozu also brauchen wir  die allgemeine Wehrpflicht? Die Parade-Antwort, die darauf gegeben wird, ist schlicht: zur Systemerhaltung. Was würde das Bundesheer nur ohne all die jungen Rekruten tun? Die Wachtmeister könnten sich nur noch untereinander anschreien, die hochrangigen Unteroffiziere müssten ihre Akten selber kopieren und so manchem Offizier bliebe nichts anderes übrig, als selbst von A nach B zu fahren. Kurz gesagt: Unsere Soldaten müssten selbst etwas für ihr Geld tun.

Bildung statt Schikane

Aber das halten sie offensichtlich für unzumutbar. Deshalb bestehen sie weiterhin stur darauf, dass man alle jungen, gesunden Männer für sechs Monate aus der Arbeitswelt reißt und sie dazu zwingt, für einen lächerlich niedrigen Sold wie Hunde auf Kommando zu gehorchen. Anstatt endlich im 21. Jahrhundert anzukommen und zu erkennen, dass das Geld heutzutage in anderen Bereichen dringender gebraucht wird, versteift man sich aus bloßem Egoismus. Anstelle Millionen dafür zu verwenden, junge Männer zu schikanieren und vom Arbeiten abzuhalten, könnte man das Geld ja in Bildung und Wissenschaft investieren. Wenn man also über die allgemeine Wehrpflicht debattiert, muss man sich eine Frage stellen: Was ist für die männliche Generation 18+ wichtiger zu wissen? Wie man erfolgreich am Arbeitsmarkt besteht, oder wie man ein Hemd richtig zusammenlegt…?

Monsignore hat gesprochen.

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Achtung! Neue Blog-Kategorie

Wichtige Ankündigung

Abwesenheitsbedingt wird Monsignore in den nächsten Monaten wohl nicht mehr allzu viel über die Trends in seinem geliebten Heimatland Österreich berichten können. Doch besteht kein Grund zur Verzweiflung für die Fans des Meisters der Motzerei. Monsignore motzt weiter – und zwar über die Schweiz. Dazu hat er ein persönliches Schweiztagebuch als neue Blog-Kategorie angelegt. Hier wird er sämtliche Beobachtungen, die er in seinem Lieblingsnachbarland macht, festhalten und in (vielleicht nicht ganz so) bissiger Form kommentieren. Die Schweiz mag neutral sein – Monsignore ist es nicht…

Gespannt? Ein Klick auf die Flagge führt zum Ziel. ;)


Täglich grüßt der Grasser

Das Gesicht von Karl-Heinz Grasser dürfte so manchem Österreicher mittlerweile vertrauter sein als das des eigenen Partners. Kein Wunder: Es vergeht kein Tag, an dem es nicht in irgendeiner Form in den Medien präsent ist. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man fast meinen, der ehemalige Finanzminister (jetzt hauptberuflich Sündenbock) hätte einen lukrativen Vertrag mit den österreichischen Medien abgeschlossen – als ihr Testemonial. Egal, ob man Grassers vermeintlichen Schandtaten einen ganzen Bericht oder nur eine Nachrichtenzeile widmet – es ist immer ein großes Konterfei der einstigen Polit-Grinsekatze dabei. Doch bedient man sich bei der Visualisierung nicht der vorhandenen Archiv-Bilder, deren Anzahl selbst Topmodels wie Naomi Campell vor Neid erblassen ließe, nein: Der Mann ist offenbar so schön, dass er immer wieder aufs Neue abgelichtet werden muss. Professionelle Grasserfotografen dürften deshalb allmählich verzweifeln, denn über kurz oder lang werden ihnen die Ideen ausgehen, welchen seiner Gesichtsausdrücke sie noch bildlich festhalten könnten – sie haben doch schon so gut wie alle!

Der Meister des Mienenspiels ist nämlich mit so ziemlich jedem mimischen Ausdruck, zu dem ein Mensch in der Lage ist, in den österreichischen Zeitungen und Wochenzeitschriften zu bewundern gewesen: Traurig, entsetzt, geschockt, arrogant, ernst, genervt, enttäuscht, verärgert, überrascht, ratlos, gefasst, nachdenklich, staatsmännisch, checkermäßig, verträumt, ca. 15 verschiedene Formen des Lächelns (schelmisch, kokett, glücklich, charmant, optimistisch, deppert, etc.) und vieles mehr haben wir dort schon bewundern dürfen – und zwar aus verschiedenen Perspektiven. Dass es hart wird, da noch neue, unbekannte Regungen aus Grassers fotogenem Antlitz herauszukitzeln, ist klar. (Obwohl: Als letzten Ausweg könnte man ihn immer noch Grimassen schneiden lassen…)

Karl-Heinz Grasser (KHG): Sein Name ist Programm – sein Gesicht ebenfalls. Sein berühmtes Grinsen aus besseren Zeiten zeigt er uns in dieser Parodie von Maschek:

Doch um ihren Job brauchen die fleißigen Fotografen vorerst keine Angst zu haben. Die eine oder andere Bildagentur hat mit Sicherheit noch ein kleines Reservoire an unveröffentlichtem Gesichtsmaterial, auf das die Medien im Notfall zurückgreifen können. Grund zur Sorge haben eher die Anti-KHG-Journalisten, denen langsam die Texte zu den feschen Bildern ausgehen. Neue, halbneue oder aufgewärmte alte Vorwürfe gegen „The Face“ in der BUWOG-Causa werden allmählich langweilig für die Leser, da es zwar haufenweise Indizien, aber kaum Beweise für seine Schuld gibt. Diese Goldgrube aufzugeben fiele den Medien aber im Traum nicht ein, weshalb sie (natürlich unverfänglich umschrieben) weiterhin behaupten, Grasser sei glatt wie ein Aal und würde deshalb der Justiz immer wieder durch die Finger schlüpfen. Davon versprechen sie sich, Empörung in der Bevölkerung auszulösen, scheinen aber nicht zu merken, dass diese ewig wiederkehrenden, ewig gleichen Texte die Leserschaft inzwischen mehr ärgern als der ach so schlimme KHG.

Das soll jetzt nicht bedeuten, dass Grasser eine blütenweise Weste hat. Er hat sicher jede Menge Dreck am Stecken, aber da ist er bestimmt nicht der einzige. Dass in der österreichischen Politik seit jeher Verträge und Ämterbesetzungen aus reiner Freunderlwirtschaft zustande kommen, die nicht unbedingt dem Wohl des Landes dienen, ist hinlänglich bekannt. Ab und zu wird auch darüber berichtet, aber nicht mit jener Intensität und vor allem nicht über jenen Zeitraum, wie es bei Grasser der Fall ist. Außer natürlich, es handelt sich um eine gewaltige Katastrophe, wie im Fall der Hypo Alpe Adria. Es wird höchste Zeit, dass in Österreich einmal etwas Interessantes passiert, denn das lustige Grasser-Bashing verliert langsam aber sicher gehörig an Reiz. Auf gut Deutsch gesagt: Es nervt!

Monsignore hat gesprochen.

Bequemes Österreich

Wir Österreicher sind – nicht zu Unrecht – als sehr gemütliches Volk bekannt. Bequemlichkeit steht bei uns an erster Stelle, wir lassen alles auf uns zu kommen und sind die Vorzeige-Vertreter einer „Es-wird-schon-irgendwie-hinhauen“-Mentalität, und das sowohl in privater als auch in beruflicher Hinsicht. Obwohl die Reisefreiheit innerhalb der EU und der hohe Lebensstandard in unserem Land so viele Möglichkeiten eröffnen würde, vor allem was Bildung und Jobchancen anbelangt, machen wir kaum davon Gebrauch. Die meisten Österreicher scheuen sogar den Umzug in einen anderen Bezirk wie die Katzen das Wasser – von längerfristigen Aufenthalten  im Ausland (nein, der zweiwöchige Italienurlaub zählt nicht!) ganz zu schweigen. Darüber hinaus hat die heutige Jugend kaum Bedarf an Veränderungen, da sie in den meisten Fällen alles hat. Sie sieht schlicht keine Notwendigkeit, darüber nachzudenken, wie lange es den Wohlstand, den sie kennenlernen durfte, noch geben wird oder was man tun könnte, um ihn zu erhalten.

Es ist traurig, aber wahr: In Österreich geht nichts weiter – schon seit Jahren nicht. Charakteristisch für unser Land sind das Festhalten an längst überholten Strukturen, Handlungsträgheit und panische Angst vor allem, was neu oder anders ist. Es gibt keinen Platz für Visionäre und Revolutionäre; sie werden entweder belächelt, ignoriert oder bekämpft. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass viele von ihnen ins Ausland abwandern, wo sie mit ihren Ideen nicht auf taube Ohren stoßen und wo man ihre Bestrebungen zu schätzen weiß. Dass wir uns und der Gesellschaft durch diese Haltung grundlegend schaden, weil durch den verhängnisvollen Mix aus Paralyse und Veränderungsphobie sehr viel Entwicklungspotenzial verloren geht, wissen zwar viele, doch nur wenige sind bereit, etwas dagegen zu unternehmen.

Am liebsten ist es uns, wenn alles so bleibt, wie es ist. Schließlich war es für sehr lange Zeit so. Auch wenn ein Zustand oder eine Situation nicht wirklich befriedigend ist – es könnte wesentlich schlechter sein. Im Umkehrschluss bedeutet das aber: Es könnte natürlich auch besser sein. Dazu wären aber mehr Einsatz und Mut zu tiefgreifenden Reformen nötig. Aber wozu sich übermäßig anstrengen? Solange alles irgendwie läuft, ist es gut. Das unsägliche Proporz-System in der Politik trägt auch nicht unbedingt zu einer Besserung dieses Zustands bei, denn den Parteien selbst scheint das sture Beharren auf dem Motto „quit pro quo“ wichtiger zu sein als konstruktive Zusammenarbeit zum Wohl von Volk und Land.

Trotzdem versucht die Politik, mit unrealistischen Versprechungen und den immer gleichen Besserungsbeteuerungen die Illusion eines ewigen Sozialstaates aufrecht zu erhalten. Dass der Status Quo, an dessen Erreichung unsere Eltern- und Großelterngeneration mitgearbeitet haben, in dieser Form nicht mehr lange zu erhalten sein wird, zeichnet sich in letzter Zeit immer mehr ab. Über 800 der 2.357 österreichischen Gemeinden haben Schulden. Nicht jeder, der heute arbeitet wird mehr eine existenzsichernde Pension bekommen. Das Gesundheitswesen kränkelt schon länger, da die Ärzte überarbeitet sind, die Krankenkassen hohe Schulden haben und es Probleme bei der Altenpflege gibt. Auch das Bildungswesen bedarf dringend einer umfassenden Reform (Stichworte: Pisa-Studie und Studienzugangsregelung).

Doch anstatt das Problem an der Wurzel zu packen und neue Wege zu gehen, werden Millionen und Abermillionen von Euros, die man sinnvoller verwenden könnte, in diese uralten, maroden Systeme gepumpt, um sie irgendwie am Leben zu erhalten. Und das, obwohl sie schon seit Jahren bzw. Jahrzehnten keine Existenzberechtigung mehr haben, da sie weder effizient noch zukunftsorientiert arbeiten. Am besten lässt sich das an folgender Familien-Parabel zeigen:

„Eine Mutter hat ein Kind. Anfangs, als das Kind noch klein und hilflos ist, ist es die Aufgabe der Mutter, es zu versorgen und zu nähren, damit es wachsen und sich entwickeln kann. Dabei wird die Mutter von ihrem Ehemann und den Großeltern unterstützt. Dann kommt der Tag, an dem das Kind ausziehen und sein eigenes Leben beginnen soll. Doch es zieht nicht aus. Die Mutter verwöhnt es derart, dass es keine Notwendigkeit sieht, selbst arbeiten zu gehen und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Lange geht es gut, doch dann wird die Mutter krank. Ihr Ehemann ist inzwischen arbeitslos geworden, verdient kein Geld mehr und lässt sich von seiner Frau bedienen. Doch damit nicht genug: Altersbedingt brauchen die Großeltern plötzlich rund um die Uhr Pflege, und das Seniorenheim können sie sich nicht leisten. Folglich werden Geld und Zeit knapp. Die Mutter versucht trotzdem, alles unter einen Hut zu bringen. Sie verbraucht alle Ersparnisse und nimmt Kredite auf, um das tägliche Leben zu finanzieren. Den Haushalt führt sie auch immer noch, obwohl die Belastung um ein Vielfaches höher ist als früher und sie dringend Unterstützung benötigen würde. Auch das Kind wohnt immer noch zu Hause, hat noch keine fixe Arbeit und stellt ständig Forderungen. Eine Zeit lang erträgt die Mutter die Last, dann aber wird ihr der Stress zu viel und sie geht daran zugrunde. Von heute auf morgen ist die Familie sich selbst überlassen. Plötzlich gilt es Kredite zurückzuzahlen, den Haushalt zu managen und sich um die Großeltern zu kümmern. Doch weder der Ehemann noch das Kind sind in der Lage dazu, sich von heute auf morgen auf diese geänderten Bedingungen einzustellen. Sie sind mit der Situation überfordert und die Familie zerbricht.“

Schuld daran ist, obwohl sie sich so aufgeopfert hat, die Mutter, denn anstatt Aufgaben abzugeben und nach alternativen Lösungen zu suchen, hat sie, wohlwissend um die Unbewältigbarkeit dieser Probleme, wie bisher weitergemacht und das Bild der heilen Welt aufrecht erhalten. Auf lange Sicht hat sie mit dieser Täuschung zum Schaden der Familie gehandelt, da es sinnvoller gewesen wäre, sich Hilfe zu holen und Aufgaben an Kind und Ehemann zu delegieren. Und jetzt stelle man sich vor, die Mutter steht für unsere Politik, ihr Ehemann für die Generation 30+, die Großeltern für die Pensionisten und das Kind steht für die Jugend in unserer Gesellschaft. Man kann sich ungefähr ausrechnen, was da in den nächsten Jahren auf uns zukommt, wenn nicht schleunigst ein generelles Umdenken einsetzt…

Monsignore hat gesprochen.

Wie war es denn jetzt wirklich?

30. Mai 2010, 40. Runde im Grand Prix von Istanbul: Der deutsche Youngstar bei „Red Bull“, Sebastian Vettel, setzt zum Überholmanöver gegen seinen in Führung liegenden Teamkollegen Mark Webber an. Als er sich auf der langen Gerade, auf der er an Webber vorbeiziehen will, eine Autonasenspitze vor seinem Teamkollegen befindet, lenkt Vettel plötzlich aus unbekannten Gründen nach rechts. Die Kameraaufnahmen aus dem Cockpit zeigen es eindeutig. Bei wiederholtem Ansehen der Bilder drängt sich einem fast der Verdacht auf, dass Vettel versucht hätte, Webber kompromisslos aus dem Weg zu räumen, nur um selbst auf dem höchsten Treppchen zu stehen…

Allein das Red Bull Racing Team sieht das anders: Teamchef Horner und Sportchef Marko meinten im Interview, Webber hätte Vettel Platz machen müssen… Wenn man angesichts dieser Aussage fassungslos ist, dann ist das mehr als verständlich. Die Bosse erwarten von ihrem heuer erfolgreichsten Rennfahrer allen Ernstes, dem intern anscheinend beliebteren Teamkollegen den Sieg zu überlassen – als wäre es das Natürlichste der Welt. In ihren Augen sei ganz klar Webber schuld am Unfall. Das ist wirklich interessant. Die Mehrheit der Formel 1-Fahrer, ob nun aktiv oder bereits im Renn-Ruhestand, spricht nämlich von einem Fehler Vettels, was meiner Ansicht nach auch korrekt ist.

Man muss auch kein Experte sein, um das zu erkennen. Vettel hat, ohne dass es eine Notwendigkeit dafür gegeben hätte, bei vollem Tempo nach rechts gezogen und es riskiert, seinen Teamkollegen abzuschießen. Dem überehrgeizigen Nachwuchstalent schien jedes Mittel Recht, um endlich aus dem Schatten Webbers hervorzutreten, in dem er sich schon die ganze bisherige Saison befindet. Der Rennstall scheint den 22-Jährigen Deutschen aber zu bevorzugen und ihm den Titel mehr zu gönnen, obwohl das offiziell immer abgestritten wird.

Was die Medien aus diesem Ereignis gemacht haben, ist mir deshalb unverständlich. Schlagzeilen wie „Red-Bull-Crash: Wer war schuld?“ könnte man sich schenken, da jeder Mensch, der das Rennen gesehen hat und den Egoismus besitzt, seinen eigenen Augen zu trauen, weiß: Vettel trägt die Schuld. Webber ist auf seiner Linie geblieben, hat Vettel nicht bedrängt und auch nicht zusätzlich aufs Gas gedrückt. Er hat seinem Teamkollegen zwar nicht viel Platz gelassen, aber dennoch etwas mehr, als sich Button und Hamilton bei ihrem anschließenden Fight um den ersten Platz gelassen haben. Außerdem befanden sich die beiden McLaren-Piloten bei ihrem Überhol- und Rücküberholmanöver in einer Kurve und damit in einer weitaus kritischeren Situation als Vettel. Trotzdem haben sie es geschafft, sich nicht gegenseitig aus dem Rennen zu werfen.

Vettel hat ganz klar falsch gehandelt und ist daher ausgeschieden. Natürlich gehört es zu in der seriösen Berichterstattung dazu, dass man bei strittigen Szenen die zwei betroffenen Parteien zu Wort kommen lässt. Wenn die Sachlage aber derart offensichtlich ist, dass sie keinen Interpretationsspielraum lässt, erübrigt sich die Frage nach dem Schuldigen. Dafür stellt sich eine andere berechtigte Frage: Haben die Sportreporter, die über das Rennen geschrieben haben, es alle mit eigenen Augen gesehen oder manche bloß die Texte ihrer Kollegen abgemalt?

Monsignore hat gesprochen.

Ein interessanter Beitrag zum Thema:

Der aufregende Blog

Manchmal echt „pfui“: Artikel in Online-Zeitungen

„Der Standard“ online hat es getan. Schon wieder. Knapp zwei Wochen nach dem er dem Anti-Strache-Rap des Möchtegern-Rappers Big DnC eine Plattform geboten hat, war auch schon das nächste schlechte Video dort zu finden. Dieses ist zwar harmloser, dafür allerdings wesentlich dümmer. Das, was mir beim Anschauen dieses Videos entfuhr, war leider kein Lachen, sondern ein enttäuschtes Seufzen. Enttäuscht deshalb, weil ich mich wirklich frage, nach welchen Kriterien diese Qualitätszeitung ihre Themen auswählt? Sie scheint derart heiß auf FPÖ-feindliches Material zu sein, dass sie alles davon auf ihre Webseite packt. Wirklich alles…

Wenn etwa der Ö3-“Mikromann“ ein Mädel mit null Ahnung von der Politik, aber dem Parteibuch der Freiheitlichen, vors Mikrofon bekommt, ist das gleich eine über 600 Wörter lange Reportage wert: „‘Mikromann‘ blamiert FPÖ-Funktionärin“. Es scheint fast so, als wäre es ein neuer journalistischer Modesport, Blaue durch den Kakao zu ziehen. Genügt es daher, wenn man in Zukunft mit umgebundener Schweinsnase und in Tracht gewandet die rechte Hand ausstreckt und dabei „Rosenkranz, Nazitanz“ in die Kamera singt, um es zumindest in die Online-Ausgabe des „Standard“ zu schaffen? Nein! Warum sollte man sich diese Arbeit antun, wenn man bloß beim „Comic-Workshop der Grünen“ gegen die Rechten mitzumachen braucht, um sich bildlich auf „derstandard.at“ zu verewigen?

Mittlerweile dürfte selbst dem begriffstutzigsten Leser die Aversion dieser Zeitung gegen die Freiheitlichen bekannt sein. Aber trotzdem könnte „Der Standard“ seine Online-Redaktion damit beauftragen, häufiger Meldungen zu bringen, die mehr Informationsgehalt haben als bloß: „Neue Strache-Verarsche entdeckt“ oder „FPÖ-Anhänger sind blöd„. Blauen-Bashing ist zwar ein amüsanter Alltime-Runner, aber das ist schon fast zu viel des Guten. Wir erfahren schließlich immer nur alles aus der Sicht unserer Landsleute, dabei wäre es zur Abwechslung einmal interessant herauszufinden, wie denn Fremde unser schönes Land sehen?

Doch auch andere Online-Ausgaben großer österreichischer Tageszeitungen bieten zwischendurch Schmarren vom Feinsten. So erfährt man auf „diepresse.at“, dass Udo Jürgens gerne Steuern zahlt und Gwyneth Paltrow am liebsten den ganzen Tag lang kocht. „Krone.at“ hingegen informiert uns darüber, dass Haustiere oft bessere Zuhörer sind als Ehepartner (was vermutlich daran liegt, dass sie weder Fragen stellen noch Lösungsvorschläge anbieten können, weil sie nun einmal  Tiere sind). Aber auch betreffend die erfolgreiche zwischenmenschliche Kommunikation hat die „Krone“ hilfreiche Tipps parat: So verrät sie uns zum Beispiel, wie wir unserem Arbeitskollegen am besten beibringen können, dass er stinkt... Darüber hinaus wissen dank „kleinezeitung.at“ jene (grob geschätzten) 0,3 Prozent der Österreicher, die den Regisseur Christoph Schlingensief kennen, warum dieser um einen Kirchenaustritt ringt. Außerdem sind Brillenträger bestens darüber im Bilde, dass ihre Sehkraftverstärkung ruhig einen Streberlook haben darf, weil das gerade der letzte Schrei ist.

Derartige Artikel können sich die Online-Zeitungen in Zukunft wirklich sparen, da sie kaum Relevanz geschweige denn großen Newswert für die Leser haben.

Monsignore hat gesprochen.

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